Konzert Silberhochzeit im Feenglanz

Der Herr pflegen zu scherzen: André Rieu spielt am Abend zwar kein einziges Solo, aber bleibt der Meister des Abends. Foto: AP

André Rieu spielt erfolgreich gegen das Bayernspiel an und liefert einen Kitschabend mit Witz und Mitmach-Charme

 

Kunstblumenbrüstung, Schnörkel-Notenständer, ein bonbonfarbenes Feen-Orchester: Ja, für Klassiksnobs ist das nichts, wie für unseren Wochenend-Kolumnisten Joseph von Westphalen, der unverschämt fragt, „wie es möglich ist, mit solch sahnigem Gegeige solchen Erfolg zu haben”. Aber die Frage muss anders lauten: Was macht eine gute Konzert-Show aus? Gute Musiker, gute Stimmung und ein Programm, das bietet, was es ankündigt. Hakt man feuilletonistisch ab, so ist zwar schwer zu sagen, ob der Herr im Frack mit Paganini-Frisur und Stradivari-Accessoire ein guter Musiker ist, denn seine Geige geht im verstärkt arrangierten Tutti unter.

Aber es gibt Mitklatschstimmung („Kalinka” mit russischen Straßenmusikern, aufgelesen in Maastricht) bei den 6000 Fans in der hinten abgehängten Olympiahalle – und trotz der Fußballkonkurrenz nicht nur Frauen. Sie bekommen einen fantastischen Kitschabend. Aber ist denn das Neujahrskonzert von den Wiener Philharmonikern nicht auch vor allem ein Heidenspaß?

Rieu scherzt über die Treue des Publikums, das mit ihm „Silberhochzeit” feiert, denn sein Johann-Strauß-Orchester „gibt es schon länger als die meisten Ehen”. Und zur Feier des Tages haben sich alle sympathisch zurecht gemacht.

Natürlich sind die clownesken Einlagen (Schaumstoffhammer auf Musiker, die Faxen machen) albern. Aber Rieu hat das, was alles erträglich macht: Ironie – so, wenn er über Holländer-Klischees witzelt und dann aus der Heimat einen Turm-Glockenspieler mitbringt. Der muss dann einen zirzensischen Geschwindigkeitswettbewerb ausfechten, bis die Glöckchen trockeneis-nebelig zu rauchen anfangen. Schade, dass in der Halle kaum getanzt wird, obwohl die Tour „Walzerkönig” heißt. Beim „Sportpalastwalzer” wird wenigstens lustig mitgepfiffen, mitgeschunkelt „An der schönen blauen Donau”. Der Schluss-„Bolero” (Rieus Kindheitstraum) endet im Applaus-Fortissimo. Als alle endlich nach vorne stürmen dürfen, gibt es noch ein Walzer- und Volkslied-Medley.

 

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