Konzert in der Olympahalle Udo Jürgens kraftvoll wie eh und je

Udo Jürgens Foto: ddp images

Am 30. September hatte Udo Jürgens seinen 80. Geburtstag gefeiert, doch der Empfang in München am Freitagabend wirkt, als bekäme er die Glückwünsche erst jetzt. „So wie heute war es noch nie“, meint Deutschlands dienstältester Chansonnier gerührt.

 

München - Die Standing Ovations gibt es gleich zu Beginn: Als die Lichtkegel angehen und Udo Jürgens in gleißendes Weiß tauchen, hinter ihm die Erdkugel im Weltall, da brandet unter den 10 000 Fans der Applaus los. Am 30. September hatte Udo Jürgens seinen 80. Geburtstag gefeiert, doch der Empfang in München am Freitagabend wirkt, als bekäme er die Glückwünsche erst jetzt. „So wie heute war es noch nie“, meint Deutschlands dienstältester Chansonnier gerührt.

Mehr als 1000 Lieder hat er komponiert in seiner über fünf Jahrzehnte andauernden Karriere, 100 Millionen Tonträger verkauft, seine Songs fehlen in kaum einem deutschen Haushalt. Heute sei er dankbar, dass er noch die Kraft zu solchen Konzerten habe. „In meinem Beruf, wo man jung sein muss, wo man nicht älter werden darf.“

Trotzig nennt der Schlager-Gigant seine aktuelle Tournee „Mitten im Leben“. Auch wenn ihn die mehr Energie kostet als früher, er nicht mehr ganz so galant über die Bühne fegt, seine Stimme Brüche zulässt. Sein Charme, die Kraft seiner Lieder, seine Botschaften sind ungebrochen. Uns Udo – die beste Werbung gegen den Jugendwahn unserer Zeit.

Keine Bange, wenn hier und da etwas schief geht – Gelassenheit ist auch eine Botschaft seines Lebenswerks: Es soll alles aus Liebe geschehen. Liebe und Freiheit, das sind die wichtigsten Elemente in Udos Universum. Diese verpackt er, wie stets begleitet von der Big Band von Pepe Lienhard, in seinen Evergreens wie „Zeig mir den Platz an der Sonne“, „Aber bitte mit Sahne“, „Mit 66 Jahren“, „Ein ehrenwertes Haus“ oder „Ich war noch niemals in New York“. Und in seinen neuen Kompositionen, so in der Liebesballade „Ich will, ich kann“ im Duett mit der großartigen New Yorker Soulsängerin Dorothea Lorraine. Oder in „Das Leben bist Du“– Udos Ermutigung, die eigene Urkraft in sich zu entdecken, statt die Verantwortung auf andere, Familie, Freunde, den Partner zu schieben. „Was wir tun, dafür sind wir selbst verantwortlich. Auch nicht der Staat.“

In „Zehn nach elf“ beschreibt er zusammen mit der bravourösen russischen Geigerin Asya Sorshneva die Einsamkeit des Künstlers nach einem Auftritt: „Erst das viele Licht und dann die Leere. Ich stell’ mir vor, dass ich heut’ noch bei Dir wäre. Nur nicht umjubelt, nur umsorgt, nicht gefeiert, nur geliebt und ganz einfach froh, dass es Dich gibt.“ Naiv und zugleich erschreckend aktuell dagegen Udos Mahnung in „Alles aus Liebe“: „Mach’ alle Hetzer und Krieger nie mehr zum Sieger.“

Es sind Lieder gegen Intoleranz, Spießertum und Bigotterie. Für Millionen ist der gebürtige Kärntner noch immer der emotionale Kompass, nimmt sie mit hinaus aufs Meer der Leidenschaften, ist der trostspendende Leuchtturm. Dabei kommen in Udos Konzerte neben der Mehrheitsfraktion der Frauen ab 50 auch Twens – ein Beweis, dass Udo allen Generationen gehört.

Natürlich fehlt nach drei Stunden nicht die Zugabe im weißen Bademantel, das Finale mit „17 Jahr, blondes Haar“ und „Liebe ohne Leiden“ vor weiblichen Fans, die ihm Blumensträuße entgegen strecken. In der ausverkauften Olympiahalle sagte Udo auch: „Es gibt ,kein Leben aus altem Applaus’, es zähle nur das Heute. „Mein Ziel ist es immer neu zu beginnen.“

Udo Jürgens gibt am 15. 3. 2015 ein Zusatzkonzert in der Olympiahalle, es gibt noch Karten.

 

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