Konzert im Olympiastadion in München Robbie Williams: der Regent des Pop

Wenn die Ruhmeshallen dieser Welt nicht anfragen, dann baut man sich halt selber eine: Robbie Williams auf seiner „Take The Crown Tour“ in Amsterdam. Foto: dpa

Am 7. August spielt Robbie Williams im Olympiastadion – anlässlich des zehnjährigen Jubiläums ist „Live At Knebworth“ erschienen

 

Der 4. Juni 2012. Vor dem Buckingham Palace steht eine Bühne, deren Überdachung die Zacken einer Krone andeutet. Das Marschtrommelpaukenregiment der Coldstream Guards. Fanfaren. Rote Uniformen, Fellmütze. Und dann tritt durch ihre Mitte auf die Bühnentreppe einer mit goldenen Aufschlägen an der Uniformjacke. Mit den goldenen Initialen R. W. auf der Brust. Robbie Williams ist’s, der hier das Konzert zum 60. Kronjubiläum der Queen als erster Künstler und aus dem Stand auf ein Level kickt. Mit einer so eleganten Flanke schafft das nur ein echter Hobbyfußballer.

Die Untertanen toben. „Let Me Entertain You“. Robbie geht auf die Knie, greift sich in den Schritt. Camilla wedelt in der Königsloge mit dem Union Jack. Bumms. Ende. Robbie salutiert. Hier wird Pop zur nationalen Angelegenheit und die nationale Angelegenheit zu Pop.

Ein paar Monate später erscheint Robbie Williams’ aktuelles Album „Take The Crown“. Auf dem Cover die Robbie-Büste in Gold. Williams’ Kunst hat etwas, was man in der realpolitischen Langeweile des gewinnmaximierten Durschnittspop vermisst: Größenwahn.

Das allein allerdings lässt noch keine Frau in Ohnmacht fallen. Aber Robbie ist kein abgehobener Möchtegern, sondern der Pub-Prolet aus Stoke-on-Trent, der es mit diesem schiefen Grinsen geschafft hat, nach dem Ende der größten Boyband der Welt eine Solokarriere zu starten. Und die hat – darauf hätte keiner wetten wollen – den einstigen Erfolg noch einmal locker überboten.

Bis 2002 war der Mann seines Vertrauens und Idealergänzung des Show-Egos Guy Chambers – Produzent und Mitschöpfer der Hits von „Angel“ bis „Feel“. Drei Shows spielte Williams auf dem Höhepunkt seiner Macht in Knebworth. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums ist die DVD „Live At Knebworth“ erschienen. Keine Neuentdeckung. Aber eine Überwältigung: „Good evening Knebworth. My name is Robbie Williams. This is my band. And for the next two hours, your ass is mine.“

Hier erlebt man einen Regenten bei der Erfüllung seines Dienstes am Hintern des Volks, das sich als Köpfchen-Teppich präsentiert. Ein Teppich, dessen Fasern sich synchron bewegen. Ergänzt wird die DVD durch eine Dokumentation. Der Mythos Knebworth wird nicht überraschend, aber einleuchtend sichtbar als ein visuell von Anfang an auf die Kameraoptik ausgerichtetes Ereignis.

Hinter der Bühne wird Robbie abgepasst, wie er gerade aus seinem Backstage-Container kommt. Ein Adidas-Sweatshirt trägt, Dehnübungen macht. Er habe Angst, sagt er. Wie man die Massen zum Durchdrehen bringt, wird er gefragt. „Wenn du dich das fragst, machst du dich verrückt“, sagt er. „Ich mache mich verrückt.“

Die Kunst des Größenwahns

Die Kunst des Größenwahns, sie ist für Williams nur um den Preis härtester Unsicherheit zu haben. Abseits der Bühne wird diese Persönlichkeit von Depressionen belauert. Hat die ständige Angst im Nacken, das Unterhaltungsversprechen eben doch nicht einlösen zu können. Die Gigantomanie des Erfolges braucht eine menschliche Seite, um die Größe fühlbar zu machen.

Und manchmal sind die Selbstzweifel nicht unberechtigt. In der O2-Arena in London hat er eben dem Publikum erzählt, die Queen habe schlicht und einfach keine Ahnung, wer er sei. Beim Empfang nach dem Konzert zum Thronjubiläum habe sie ihn für einen Member of Congress gehalten.

Das nächste Zusammentreffen machte es nicht besser. Da habe die Queen gegeglaubt, er sei der Trainer von Pudsey. Pudsey immerhin ist seit „Britain’s Got Talent“ auch eine nationale Berühmtheit. Er ist ein extrem unterhaltsamer, wahnsinnig gelehriger und bestens trainierter Hund.

 

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