Konzert Andris Nelsons' hohe Kunst des Haderns

Es muss nicht immer die harte Pranke sein: Pianistin Hélène Grimaud. Foto: Matt Hennek

Hélène Grimaud und das City of Birmingham Orchestra unter Andris Nelsons im Gasteig.

 

Die Schlangen formierten sich bald zu Trauben, so heftig war der Andrang, als Hélène Grimaud in der Pause signierte. Doch höflich, wie Briten nun mal sind, warteten die Damen und Herren des seit Simon Rattles Zeiten exquisit disponierten City of Birmingham Orchestra bis sie wieder ran durften.

Gleich ganz am Anfang des Abends, beim Vorspiel zu Richard Wagners „Lohengrin“, stellten die Engländer klar, dass bei ihnen die allerzartesten Steigerungen möglich sind, ein Pianissimo schier endlos formbar, dabei voller Spannung zu halten ist. Und dass Andris Nelsons mit diesen Streichern so ziemlich alles anstellen kann.

Der weltweit umworbene Dirigent überzeugte aber vor allem bei Tschaikowsky, die opernhafte Couleur der Fünften entspricht eh seinem Temperament. Und vielleicht war es ganz gut, dass die CBO-Musiker immer auch mit einer Spur kühler Zurückhaltung ans Werk gingen – die Wogen der Leidenschaft blieben so im Rahmen des Erträglichen, rekurrierten vielmehr auf die inneren Prozesse, das leise Hadern, die feinen Stimmungswechsel, die im oft zelebrierten Tschaikowsky-Bombast leicht ertrinken. Unter der Valse waberte Bedrohliches, und wie Nelsons dann im nicht unproblematischen Schlusssatz das Schicksalsmotiv aus der Larmoyanz zum Leuchten führte, das hatte Klasse.

Bei Brahms war die Freude dafür etwas gedämpft, den Ecksätzen des ersten Klavierkonzerts fehlte das Stürmische. Und Grimaud, die sich gerne auf Details konzentriert (das kann betörend sein!), zuweilen auch ihre kleinen Manierismen pflegt, überging manches Gesprächsangebot des Orchesters. Dass sie nicht wie Volodos und selbst der skrupulöse Zimerman in die Tasten haut, geht völlig in Ordnung. Aber etwas mehr Risiko wäre schön gewesen.


 

 

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