Konstantin Wecker im Gärtnerplatztheater Der Klang der ungespielten Töne

Konstantin Wecker und Michael Dangl. Foto: Christian Pogo Zach

Konstantin Wecker und Michael Dangl über „Der Klang der ungespielten Töne“ im Gärtnerplatztheater

Der Roman des Münchner Liedermachers handelt von Musik – und Stille. Der Schauspieler und Autor Michael Dangl hat eine Version von Konstantin Weckers „Der Klang der ungespielten Töne“ für drei Sprecher, Violoncello und Orchester erstellt. Premiere ist heute abend im Gärtnerplatztheater.

AZ: Herr Wecker, Herr Dangl, wie lange kennen Sie sich schon?
KONSTANTIN WECKER: Du bist schon lange ein begeisterter Besucher meiner Konzerte.
MICHAEL DANGL: Es war anfangs eine einseitige Beziehung. Ich war zehn oder zwölf, als mich mein Vater zum ersten Wecker-Konzert mitgenomen hat. Vor 30 Jahren haben wir uns kennengelernt. Wir hatten immer mal gute Gespräche, aber akut wurde die Zusammenarbeit seit zwei, drei Jahren.
WECKER: Ich habe Dich öfter als Schauspieler im Theater an der Josefstadt gesehen, wußte aber lange nicht, dass Du so ein sauguter Autor bist. Ich habe ihm erzählt, dass ich den „Klang der ungespielten Töne“ immer als eine Art „Kontrabaß“ gesehen habe: als ein Stück, dass man allein mit einem Klavier auf der Bühne aufführen kann.

Am Gärtnerplatz ist es eine Nummer größer – mit Orchester und dem Dirigenten Andreas Kowalewitz im Graben.
DANGL: Ich glaube, dass das Buch noch ein paar Verwandlungen erleben wird, etwa als Filmstoff. Hier haben wir den Luxus, es auf der Bühne eines Musiktheaters mit Orchester zu machen – und mit dem Autor als Schauspieler.

Die Geschichte dreht sich um den Musikbetrieb. Spielen Sie sich selbst, Herr Wecker?
WECKER: Das Buch ist zu großen Teilen autobiografisch. Auch mein Vater kommt darin vor: Ich habe mit ihm als Kind das ganze Opernrepertoire durchgesungen – mit mir in den Frauenrollen, bis der Stimmbruch kam. Daher rührt meine unbändige Liebe zur italienischen Oper, deren Melodienreichtum mich bis heute beeinflusst. Dann treffe ich im Buch einen gewissen Karpoff – ab da ist es Fikton. Der wird mein Lehrmeister. Die Geschichte hat aber insofern mit mir zu tun, als die Hauptfigur erreicht, was ich noch nicht geschafft habe.

Und was ist das?
WECKER: Einen metaphysischen Zugang zur Musik, den im Buch ein Zitat von Arvo Pärt beschreibt. Es geht da um einen Zustand, in dem der Künstler alles in sich trägt und in dem er nichts mehr schaffen muss.

Daher gibt es neben italienischer Opernmusik, Brahms und Mahler auch etwas von Pärt.
WECKER: Am Ende spielen wir „Spiegel im Spiegel“. Das ist eine moderne Musik, die mich wegen ihrer Spiritualität fasziniert.

Aber auch die Stille spielt eine wichtige Rolle.
DANGL: Als Voraussetzung, zu sich zu kommen. Man muss weit gehen, um Stille zu erleben. Wir leiden an einer akustischen Umweltverschmutzung. Theater sind wie Kirchen eigentlich gute Orte für Stille, aber auch da surren überall Lampen und Computer.

Wecker spielt sich anscheinend selbst. Was machen Sie auf der Bühne, Herr Dangl?
DANGL: Nein, ich spiele eher Wecker, Konstantin spielt seinen Vater und diesen mystischen Musiklehrer. Mich hat der Roman berührt, weil er von den Gefährdungen eines Künstlers in einer Welt handelt, die nach dem schnellen Erfolg schielt, und der mit Hilfe von Karpoff aus dieser Sphäre wieder hinausfindet.

Singen Sie Puccini und Verdi?
WECKER: Das würde ich nicht wagen. Ich fange an und überlasse das dem Tenor. Sonst singe ich gar nicht. Es kommen auch keine Wecker-Lieder an dem Abend vor. Ein wunderbarer Zwölfjähriger, der zufällig auch Konstantin heißt, macht das gleich, was ich in diesem Alter gemacht habe und singt die „Traviata“, wenn ich von meiner Jugend erzähle.

Sind Sie jemals zuvor im Gärtnerplatztheater aufgetreten?
WECKER: Ende der 1950er Jahre, in Benjamin Brittens „Wir machen eine Oper“. Da hatte ich drei Sätze zu singen und bekam Applaus aus der Proszeniumsloge.
Ich habe mich schon öfter über Ihre Musicals geärgert und mich gefragt, warum Sie nicht ein Stück machen, das mit dem Lebensgefühl ihrer Generation zu tun hat.
WECKER: Wir sind dran.

Premiere 26. Januar, wieder am 7. Februar und 1. März, 19.30 Uhr im Staatstheater am Gärtnerplatz. Restkarten, 10 bis 30 Euro, Telefon 2185 1920

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