Konsequenzen aus Datenskandal Facebook verbannt Datenhändler von seiner Werbeplattform

Mark Zuckerberg, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Facebook, hält anlässlich des Semesterbeginns eine Rede an der Universität Harvard. Foto: Steven Senne/AP/dpa

Facebook zieht weitere Konsequenzen aus dem Datenskandal. Die Zusammenarbeit mit externen Datenhändlern, mit deren Hilfe Werbung bisher personalisiert werden kann, wird beendet. Apple-Chef Tim Cook distanziert sich unterdessen klar von Facebook und Mark Zuckerberg.

 

Menlo Park - Nach dem Skandal um Cambridge Analytica sperrt Facebook externe Datenhändler von seiner Werbeplattform aus. Bisher werden zum Teil auch die von Firmen wie Axciom oder Experian anderswo gesammelten Daten über Nutzer bei der Personalisierung von Werbeanzeigen verwendet. Diese Funktion werde in den kommenden sechs Monaten abgeschaltet, kündigte Facebook in der Nacht zum Donnerstag an. Der Schritt solle den Schutz der Privatsphäre auf Facebook verbessern - auch wenn der aktuelle Zustand dem üblichen Vorgehen in der Branche entspreche, hieß es in einer knappen Mitteilung.

Facebook-Skandal um Datenklau

Facebook ist in den vergangenen Wochen wegen des Datenskandals um die Firma Cambridge Analytica massiv unter Druck geraten. Die Analysefirma, die unter anderem für das Wahlkampfteam von Donald Trump arbeitete, hatte sich auf unerlaubte Weise Informationen von Dutzenden Millionen Facebook-Nutzern beschafft, die eine Umfrage-App gesammelt hatte. Facebook erfuhr 2015 davon, gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass die Daten gelöscht worden seien. Die betroffenen Nutzer wurden nicht informiert - was jetzt nachgeholt werden soll. Zudem schränkte Facebook den Zugang von App-Entwicklern zu Nutzerdaten weiter ein.

Facebook setzt EU-Datenschutzgrundverordnung um

Am Mittwoch stellte Facebook eine Neuordnung und Vereinfachung der Datenschutz-Einstellungen vor, zudem können Nutzer alle ihre Beiträge und Informationen herunterladen und zu anderen Diensten verlagern. Mit den Neuerungen setzt Facebook die EU-Datenschutzgrundverordnung um - in der Ankündigung blieb dies jedoch unerwähnt, so dass sie in Medienberichten oft als Reaktion auf den aktuellen Datenskandal bezeichnet wurden. Einige Nutzer berichteten, sie hätten beim Herunterladen ihrer Daten entdeckt, dass Videos, die sie mit der Kamera der Facebook-App aufgenommen und danach verworfen hatten, trotzdem auf den Servern des Netzwerks gespeichert blieben. Facebook erklärte dem "New York Magazin", man prüfe den Sachverhalt.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Financial Times und das Magazin Economist auf Dienste von Cambridge Analytica zurückgegriffen hatten. Ein Economist-Sprecher sagte der Website Buzzfeed, die Firma habe lediglich eine Einschätzung zur Größe des US-Marktes erstellt. Man wisse nicht, ob Cambridge Analytica dabei auch auf Facebook-Daten zurückgegriffen habe. Auch die Financial Times erklärte, es sei um eine kurze Zusammenarbeit in der Marktforschung gegangen.

Apple-Chef Tim Cook rechnet mit schärferen Datenschutz-Regulierungen

Apple-Chef Tim Cook rechnet nach dem Skandal mit einer schärferen Datenschutz-Regulierung. Er hätte sich gewünscht, dass Facebook und andere Online-Dienste von sich aus die Datensammlung und Erstellung von Nutzerprofilen eingeschränkt hätten, sagte Cook in Chicago bei einem Bühnen-Interview. Selbstregulierung sei aus seiner Sicht immer besser - aber dafür sei es jetzt zu spät. Zugleich ging der Apple-Chef klar auf Distanz zu Facebook und Firmenchef Mark Zuckerberg: Auch Apple hätte eine Menge Geld mit den Daten der Kunden verdienen können, habe sich aber dagegen entschieden. Apple macht seine Milliardengewinne vor allem mit Geräten wie dem iPhone - und betont stets, dass man deshalb viel konsequenter beim Datenschutz sei. Auf die Frage, was er in der aktuellen Lage von Zuckerberg tun würde, schnitt Cook ab: "Ich würde nicht in dieser Situation sein."

 

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