Konkurrenzkampf am Viktualienmarkt Schranne will Marktweiber abwerben

"Gerne unterbreite ich Ihnen ein individuelles und attraktives Miet-modell je nach Sortiment": der Brief an die Marktleute. Foto: Sigi Müller augenblick-fotografie/Repro: Petra Schramek

Ein Rundbrief soll die Standlbetreiber zum Umzug bewegen: „Sie werden überrascht sein, wie lukrativ in der Halle die Konditionen sind“.

 

Altstadt - Obwohl der In-Grieche Leo Arachvitis mit seinem Restaurant „Kytaro“ gut in der Schrannenhalle eingeschlagen hat, kann man über das Innenleben des historischen Premium-Bauwerks im Herzen Münchens noch immer nicht vor Freude klatschen. Leere Stände und häufige Mieterwechsel – das gilt überall – verhelfen selten zum profitablen Ergebnis.

Eine große Lösung, quasi die dritte Karriere für die 2005 wiedereingeweihte Schranne, wird schon länger diskret angestrebt. Aber Vermieter und neuer Pächter wollten vorsichtshalber den Ausgang der OB- und Stadtrats-Wahl abwarten. Die Supermarkt-Kette Edeka könnte sich eine Präsenz in der Halle mit exklusivem „Simmel“-Markt vortrefflich vorstellen – am besten noch mit längeren Öffnungszeiten für die Single-Zielgruppe in dieser Gegend.

Chantal Hammer, Ehefrau des Hallen-Betreibers Hans Hammer und betraut mit Presse-Anfragen, sagte dazu allerdings: „Ich weiß von diesem Vorhaben nichts.“ Der Name Edeka fiel jedoch gerade wieder zwischen Hallen-Hausherr Hammer und Wolfgang Püschel, dem Bezirksausschuss-Chef Altstadt-Lehel.

Eine andere Hammer-Aktion liegt dagegen der AZ schriftlich vor: Mittels Rundbrief sollen einige der 107 Standlbetreiber vom Viktualienmarkt nebenan in die Schranne gelockt werden. Das Schreiben ging „An die Marktleute des Viktualienmarktes“ und preist ihnen einen Umzug in die Schrannenhalle an – „als ideale Ergänzung oder Alternative zu Ihrem bisherigen Stand auf dem Viktualienmarkt“.

Der Absender, der für das Immobilien-Management der Hammer AG unterzeichnet, wirbt offensiv um die Marktweiber: „Gerne unterbreite ich Ihnen ein individuelles und attraktives Mietmodell (Grundmiete + Umsatzbeteiligung) je nach Sortiment.“ Und als Pointe: „Sie werden überrascht sein, wie lukrativ die Konditionen im Vergleich zu den Gerüchten sind.“

In Gesprächen hieß es zudem sogar, dass nur „die Nebenkosten zu erbringen seien“, wie das bei einem Großmieter bereits der Fall sein soll. Chantal Hammer allerdings dementierte diese Konditionen: „Die Mieten sind doch günstig und belaufen sich zwischen 500 und 2000 Euro. Dazu kommen die Nebenkosten.“

Nach AZ-Informationen hat noch keine Standlfrau angebissen. Am Markt reden sie vielmehr über Dauer-Leerstände mehrerer Standl, die das Bild des Ensembles eintrüben – etwa beim „Steurer“-Standl oder dem Käfig-Standl bei „Fisch-Witte“. Interessenten gäbe es schließlich.

Dazu erklärte Markthallen-Chef Boris Schwartz gestern: „Der Leerstand war nötig wegen Renovierungsarbeiten. Die leeren Häusl dienten als Lager benachbarter Standl.“

 

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