Konflikte in der Altstadt Der Viktualienmarkt als Streitzone

Nicht nur, wenn es ums Geld geht, geraten die Standlleute und das Kommunalreferat, das für den Viktualienmarkt zuständig ist, aneinander. Die AZ erklärt die Streit- und Standpunkte

Altstadt - Das Verhältnis zwischen den Standlleuten vom Viktualienmarkt und den Markthallen München bleibt ein schwieriges. Es geht ums Geld und um die Frage, ob der Viktualienmarkt als Aushängeschild von der Verwaltung genügend bekommt. Darüber hat Michael Graeter in der AZ in der vergangenen Woche bereits berichtet. Nun schaukelt sich der Streit weiter hoch. Die AZ erklärt die Situation.

DIE STREITPARTEIEN

Die Markthallen München (MHM): Sie gehören zum Kommunalreferat und verwalten die Münchner Wochen- und Lebensmittelmärkte, darunter den Viktualienmarkt. Dessen Standlleute zahlen monatlich Gebühren an die MHM, zwischen vier und zehn Prozent ihres Umsatzes, heißt es.

Die MHM dürfen gemäß ihrer Satzung keinen Gewinn machen. In einer Mitteilung der Markthallen heißt es: „Die Einnahmen von allen Märkten fließen bei den Markthallen München in einen gemeinsamen Topf und werden von dort bedarfsgerecht auch wieder für alle Märkte – also natürlich auch für den Viktualienmarkt – verwendet.“

Die IGV: Das ist der Verband der Marktleute vom Viktualienmarkt. An seiner Spitze steht die Sprecherin Elke Fett vom „Duftstandl“. Die sagt: „Eine Refinanzierung haben wir auf dem Viktualienmarkt nie feststellen können.“ In ihrem Namen hat die Juristin Erika von Heimburg eine Anfrage an die Stadt gerichtet, was aus den Gebühren aus 20 Jahren geworden ist. Es soll um Millionen gehen.

STREITPUNKT UMSATZ

40 Millionen Euro, so stand es in der AZ, beträgt der jährliche Gesamt-Umsatz des Viktualienmarktes. Bernd Plank, der Sprecher des Kommunalreferats: „Davon abgesehen, dass hier offensichtlich Gewinn und Umsatz verwechselt werden, können diese Zahlen nicht nachvollzogen werden.“ Elke Fett hält dagegen: „Vom Gewinn haben wir auch nicht gesprochen. Die Umsatzzahlen haben wir dem Gutachten des Tüv Rheinland entnommen. Dieses Gutachten wurde vom Kommunalreferat in Auftrag gegeben.“ In dem Gutachten steht auch: Die Stadt verdiene 1560113,78 Euro pro Jahr durch die Mieten am Viktualienmarkt.

STREITPUNKT METZGERZEILE

Der Sprecher des Kommunalreferats sagt: „Selbstverständlich investiert die Stadt in den Viktualienmarkt, das weiß auch die IGV.“ 2,65 Millionen Euro seien in den letzten beiden Jahren investiert worden. Bernd Plank führt Beispiele an: „In den Bereichen Metzgerzeile am Petersbergl und der Abteilung V an der Heiliggeistkirche wurden in den Kellern der Brandschutz, die Hygiene und die Statik ertüchtigt.“ Elke Fett bewertet das so: „Die Keller in der Metzgerzeile mussten renoviert werden, da sonst aus hygienischen Gründen die Schließung der Metzgerzeile gedroht hat. Also wurde dieser Umbau nicht aus Fürsorge für uns vorgenommen!“

STREITPUNKT LICHT

„Den Wünschen der IGV nach einer Weihnachtsbeleuchtung am Markt wurde entsprochen“, so das Referat. Für die IGV hält Fett dagegen: „Die Weihnachtsbeleuchtung wurde aus dem Restgeld des inzwischen aus rechtlichen Gründen eingestellten und nur von uns Händlern abgeführten Werbetopfs bezahlt. Auch da ist nicht die Großzügigkeit des Kommunalreferates im Einsatz gewesen.“

STREITPUNKT PÖRRERSTAND

Der so genannte Pörrerstand auf dem Viktualienmarkt steht leer. Das ist manchen ein Dorn im Auge.

Referatssprecher Plank sagt, der Stand „soll langfristig als ,Eigenstand’ der MHM für hochwertiges Merchandise und Infostelle für Besucherinnen und Besucher des Viktualienmarktes verwendet werden. Dies ist mit der IGV abgestimmt und wurde von der Vorsitzenden des Vereins gegenüber den MHM ausdrücklich begrüßt.“

Elke Fett ist die Vorsitzende – und sagt: „Jahrelang musste dieser Stand ohne Einnahmen leer stehen. Bestimmt nicht wegen unseren Händlern. Beim letzten Treffen der Händler mit Markthallen-Chef Boris Schwartz stellte uns dieser die neue Nutzung vor. Gefragt wurden wir aus der IGV nie. Und das Protokoll zu dieser Sitzung fehlt bis heute.“

STREITPUNKT WELTKULTURERBE

Die Marktleute hätten gern, dass der Viktualienmarkt zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco wird. Marktsprecherin Fett klagt: „Dass die Stadt nun aber auch noch gegen unsere Bewerbung zum immateriellen Weltkulturerbe ist, enttäuscht uns sehr.“

Das Kommunalreferat erklärt: „Das Vorschlagsrecht (fürs Weltkulturerbe, d. Red.) für Bayern liegt allein beim Freistaat.“ Der habe den Viktualienmarkt nicht auf die Vorschlagsliste gesetzt. Tatsächlich hat der zuständige Wissenschafts- und Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) im Vormonat nicht den Viktualienmarkt, sondern die Passionsspiele von Oberammergau und die Lindenkirchweih von Limmersdorf für das Bundesverzeichnis des Weltkulturerbes vorgeschlagen.

Ganz schön viel Konfliktstoff am Viktualienmarkt. Dabei soll der doch ein idyllisches, originelles Aushängeschild Münchens sein. Darin, übrigens, sind sich Stadt und Marktleute einig. Ausnahmsweise.

 

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