Kommunalwahl Horst Seehofer, der Unersetzbare

Horst Seehofer spielt auf Verlängerung. Offenbar will er 2018 doch nicht aufhören, sondern von seiner Partei gebeten werden, weiterzumachen. Sein Vize Peter Gauweiler fände das gut.

 

München - Horst Seehofer wollte der erste bayerische Ministerpräsident sein, der seine Nachfolge selbst regelt, wenn er 2018 nicht mehr antritt. Doch nach dem schlechten Abschneiden der CSU bei den Kommunalwahlen hat der Parteichef nun offenbar einen anderen Plan: Alles deutet darauf hin, dass er in eine Verlängerung will und sich schon jetzt eine Option für eine dritte Amtsperiode über 2018 hinaus eröffnet. Seinen möglichen Nachfolgern Markus Söder und Ilse Aigner traut er derzeit eine Machtübernahme nicht mehr zu. König Horst spekuliert damit, zum ewigen Herrscher in Bayern zu werden.

Eine versteckte Botschaft an seine Partei waren seine Aussagen in den vergangenen Tagen. Gleich am Montag hatte Seehofer klar gemacht, dass er Ulrich Maly (53), den fulminanten Sieger der OB-Wahl in Nürnberg, für einen gefährlichen Gegner der CSU hält: „Er ist die dominante politische Kraft auf Seiten der SPD.“ Und: „Wenn er bei der Landtagswahl kandidiert hätte, hätte ich heute nicht die absolute Mehrheit.“

Im Klartext heißt das: Sein Kronprinz Markus Söder, der CSU-Chef von Nürnberg, ist Maly nicht gewachsen. Er konnte den Siegeszug des Sozialdemokraten nicht verhindern, obwohl er als Finanzminister seine Heimatstadt mit Geschenken überschüttet und sich selbst im Wahlkampf total ins Zeug gelegt hatte.

Das Fazit für Seehofer: Es gibt nur einen, der die große Mehrheit der CSU 2018 verteidigen kann, wenn Maly als SPD-Spitzenkandidat antreten sollte: ihn selbst, Horst, den Großen.

Denn auch Kronprinzessin Ilse Aigner, der er das Blaue vom bayerischen Himmel versprochen hatte, um sie von Berlin zurück nach München zu locken, ist im Dauertief. Ausgerechnet in der schwarzen Herzkammer Oberbayern leidet ihre CSU an Schwindsucht. Aigner mag einfach nichts gelingen. Im Partei-Vorstand hat er sie runtergemacht. Nicht nur wegen der misslungenen Kommunalwahl, auch wegen der Energiewende, die einfach nicht klappt. Da müsse sie noch viel Öffentlichkeitsarbeit machen, rügte der Parteichef.

Im Klartext heißt das: Aigner hat’s nicht drauf. Sie kann’s 2018 mit ihren schwächelnden Oberbayern erst recht nicht packen.

Die Verlängerung seiner Regierungszeit betreibt Seehofer selbst. Am Montag hatte er nach dem Treffen des CSU-Vorstands kokettiert, er könne sich vorstellen, noch einmal anzutreten – mit dann 69 Jahren: „Ich würde mir das zutrauen.“ Gern überrascht er, um danach seinen verdutzten Gesprächspartnern zu sagen, es sei nur Spaß gewesen. Sofort schränkte der 64-Jährige wieder ein, es bleibe bei dem, was er in der Vergangenheit gesagt habe: 2018 ist Ende.

Im Klartext heißt das: Außer die Partei fleht ihren Retter an, weiterzumachen, wenn seine Thronfolger bis dahin weiter so schwach bleiben und die Mehrheit der CSU auf dem Spiel stünde. So wie damals 2008 nach dem Verlust der absoluten Mehrheit. Als ihn seine Partei aus Berlin holte, obwohl sie ihn ein Jahr zuvor noch verschmäht und ihr Vertrauen lieber in Günther Beckstein und Erwin Huber gesetzt hatte.

„Ein Amt muss zur Persönlichkeit kommen, nicht eine Persönlichkeit zum Amt“, sagt Seehofer gerne. Offensichtlich zieht der ausgefuchste Stratege jetzt alle Fäden, damit ihn seine Partei 2018 nicht in Ruhestand gehen lässt.

Sein CSU-Vize Peter Gauweiler heizt die Spekulationen schon an und spricht sich für eine dritte Amtsperiode des Ministerpräsidenten aus: „Finde ich sehr gut“, sagt er. „Seehofer ist der stärkste Politiker der CSU. Seine Amtsübernahme war ein Gewinn für die Partei und für Bayern, und er bleibt auf lange Sicht ein Garant für unseren Erfolg“, so Gauweiler. Eine dritte Amtsperiode ginge bis zu Seehofers 74. Lebensjahr.

Die CSU rutscht unter 40 Prozent

Die CSU ist bei den Kommunalwahlen landesweit unter die 40-Prozent-Marke gerutscht. Laut dem vorläufigen Endergebnis kommt die Partei auf nur noch 39,7 Prozent. Das ist noch unter dem 40,0-Prozent-Ergebnis von 2008 nach den Turbulenzen um Stoibers Sturz. Im einzelnen kam sie in den bayerischen Stadträten im Schnitt auf 33,5 Prozent, in Kreistagen (also auf dem Land) auf 41,5 Prozent. In ihrer alten Herzkammer Oberbayern liegt die CSU aktuell bei 39,7 Prozent – in Schwaben steht sie mit 42,7 Prozent besser da.

Bei den anderen Parteien kommt die SPD im aktuellen Stand auf 20,5 Prozent, die Grünen auf 10,3, die Freien Wähler auf 3,6 und die Sonstigen auf 25,9.

 

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