Kommunalwahl 2020 AZ-Trend: München sagt immer noch Nein zu Hochhäusern

Der Münchner ist immer noch gegen Hochhäuser in der Stadt. Foto: AZ Archiv/Auer Weber

Teil vier des repräsentativen AZ-Trends: Wo und wie soll in der Stadt noch gebaut werden? Wie sehen es die Münchner: Sollen Freiflächen zugebaut werden – oder ist die Zeit reif für Hochhäuser?

 

München - Schorsch Kronawitters Hochhaus-Entscheid ist rechtlich schon lange nicht mehr bindend. Und München hat auch schon einzelne Hochpunkte über der magischen 100-Meter-Marke.

114 Meter ist zum Beispiel der HVB-Tower hoch, 146 Meter das Uptown am Georg-Brauchle-Ring. Viel näher an der Innenstadt, bei der Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke, könnten künftig sogar zwei 155-Meter-Türme nach dem Entwurf von Herzog und de Meuron in die Höhe wachsen. Und 2019 hat die Stadt in einer Studie Zonen festgelegt, in denen sich die Stadtverwaltung weitere Hochpunkte vorstellen könnte.

Münchner wollen keine Hochhäuser

Ist die Münchner Hochhaus-Zeit gekommen? Wenn man bei den Bürgern nachfragt, sieht es nicht so aus. 55 Prozent der für den repräsentativen AZ-Trend Befragten möchten nicht, dass in München künftig höher als 100 Meter gebaut werden darf. 44 Prozent sprachen sich dafür aus. Politiker, die Münchens Streben in die Höhe verhindern möchten, könnten also über einen neuen Hochhaus-Entscheid nachdenken, um diese Ablehnung erneut amtlich zu machen.

Ebenfalls ein Dauerthema in der Stadt: knapper Wohnraum. Es wird gebaut, doch bis auf Freiham gibt es kaum noch Flächen, an denen noch Platz für Neubauten ist. München wird in der Folge also noch dichter, als die Stadt ohnehin schon ist.

Die Mehrheit ist für Nachverdichtung - unter einer Bedingung

Nachverdichtung ist das Wort, das in vielen Nachbarschaften in München im vergangenen Jahr für Unmut sorgte. Kein Viertel, in dem Flächen nachträglich bebaut werden sollten, hat diese Idee mit Freude aufgenommen. Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen: Eigentlich ist eine Mehrheit (56 Prozent) für Nachverdichtung – sofern dadurch bezahlbarer Wohnraum entsteht.

Der Blick in die Praxis legt jedoch nahe, dass neue Wohnungen nur so lange genehm sind, sofern sie nicht im eigenen Umfeld auf Brachflächen gestellt werden. Allerdings: Gefragt wurden die Münchner nur nach ihrer generellen Meinung zu dem Thema. Nach dem eigenen Hinterhof wurde nicht gefragt.

Ein konkretes Bauprojekt haben wir die Befragten jedoch durchaus bewerten lassen: die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) in Daglfing und Johanneskirchen. In Feldmoching war im vergangenen Jahr eine nach dieser Regelung des Baugesetzbuches geplante Neubausiedlung gescheitert.

Die SEM kennt die Mehrheit der Münchner nicht

Vor allem, weil die SEM in letzter Konsequenz auch Enteignungen der Grundeigentümer auf dortigen Flächen vorsieht, hatten sich zuvor die Fronten verhärtet. Auch im Osten regt sich Widerstand gegen den Versuch, eine SEM durchzusetzen. Sogar eine eigene Stadtratsliste haben die Gegner.

In der breiten Bevölkerung ist die SEM jedoch kein Thema, nur einem guten Viertel ist die Entwicklungsmaßnahme ein Begriff, überdurchschnittlich viele Männer wissen darüber Bescheid. Spannend wird, ob bei der Wahl die SEM-Gegner mit ihrer München-Liste trotzdem in den Stadtrat einziehen.

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