Kommt jetzt ein Diesel-Verbot? Vorsitzender des Städtebunds: "Die Autostadt ist tot"

Alltag auf dem Mittleren Ring: Autos stauen sich. Foto: dpa

Der Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, will das Auto per Gesetz aus den Innenstädten verbannen. In München sind sich die Verantwortlichen uneins.

 

München - Wird’s bald ruhiger und schadstofffreier in der Münchner Innenstadt? Wenn es nach dem Deutschen Städte- und Gemeindebund geht, dann auf alle Fälle.

Geschäftsführer Gerd Landsberg will das Auto mit Hilfe von Gesetzen aus deutschen Innenstädten verdrängen. „Die Autostadt ist tot“, betont er in einem Interview mit der „Welt“.

„Wir haben Städte jahrelang nicht nur für Menschen, sondern auch für Autos gebaut. Die Autostadt ist aber tot, die Fahrradstadt ist die Zukunft. Ich finde, man muss den Fahrradverkehr zulasten des individuellen Autoverkehrs privilegieren“, erklärt Landsberg. In Hinblick auf die Feinstaubbelastung, die besonders von Diesel-Fahrzeugen verursacht wird, sei das richtig. „Da muss man auch gesetzlich nachsteuern“, sagt Landsberg weiter.

Ein Vorschlag von ihm: „Neben der Stellplatzpflicht für Autos sollte auch eine Stellplatzpflicht für Fahrräder bei Neubauten angeordnet werden können.

Umweltreferentin will Blaue Plakette

Und was sagen die Verantwortlichen in München, die ohnehin mit der Schadstoffbelastung zu kämpfen haben, dazu? Umweltreferentin Stephanie Jacobs (parteifrei) hält die „Blauen Plakette“ für eine sinnvolle Maßnahme, will also vor allem Diesel-Fahrzeuge aus der Innenstadt verbannen. Beim Feinstaub habe man die Werte schließlich auch erst mit der Einführung der Umweltzone unter die Höchstgrenze drücken können. Warum sollte mit einer Verschärfung der Einfahrregeln also nicht auch bei der Stickstoffbelastung der Durchbruch gelingen?

Wirtschaftsreferent Josef Schmid dagegen ist kein Fan davon, Diesel-Fahrzeuge aus der Innenstadt zu verbannen. Lieferdienste seien zu 70 Prozent noch mit Diesel unterwegs. „Dann würden wir mit einem Schlag den Wirtschaftsverkehr abwürgen“, sagte der 46-Jährige der AZ.

Lesen Sie hier: AZ-Kommentar: In die Innenstadt muss man nicht mit dem Auto

Schmid setzt deshalb verstärkt auf Elektromobilität. Auch Taxiunternehmen will er zum Umrüsten ihrer Flotten anregen. Zumindest brauche es bei der Einführung der „Blauen Plakette“ aber Übergangsfristen. So von heute auf morgen könne man Diesel-Fahrzeuge nicht aus der City aussperren.

Die Grünen im Rathaus sehen das freilich ganz anders. Dort träumt man ohnehin von einer autofreien Altstadt. Eine gestaffelte City-Maut, findet Fraktionschef Florian Roth, sei jedenfalls eine gute Sache. Denn prinzipiell gebe es bei der Verbesserung der Luftqualität noch großen Handlungsbedarf.

 

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