Kommentar zu 9/11 11. September: Welttag der Verschwörungstheoretiker

Der Tag, der die Welt veränderte: Am 11. September 2001 steuerten Terroristen Flugzeuge in das World Trade Center in New York City und das Pentagon in Virginia. Foto: AP

Auch 13 Jahre nach den Anschlägen in den USA blühen die Phantasien. Besonders in Deutschland hat sich eine regelrechte Industrie gebildet, die die Lust am Zweifel vermarktet.

Es gibt den Weltkatzentag, den Tag des Bunsenbrenners und den Tag der Luftpolsterfolie. Heute, am 11. September, ist der inoffizielle Welttag der Verschwörungstheoretiker.

Auch 13 Jahre nach den Anschlägen blühen die Phantasien rund um das schreckliche Ereignis, das 3000 Menschen das Leben kostete.

Vor allem Deutschland ist eine Hochburg der selbsternannten kritischen Geister, die glauben, von den „Mainstream-Medien“ nicht korrekt informiert worden zu sein.

Keine Frage: Journalisten irren, es gibt einseitige Berichterstattungen, es gibt Falschmeldungen, es gibt Kampagnen. Doch Medien als Stützen einer Weltverschwörung, das ist absurd. Erst Recht im Falle des 11. Septembers 2001, der wie kaum ein anderer Tag in der Geschichte untersucht und dokumentiert ist.

Das ficht die verschworene Gemeinde nicht an. Längst hat sich eine regelrechte Industrie entwickelt, die den verführerischen Zweifel an der „zu einfachen Erklärung“ vermarktet; obskure Buchverlage führen dutzende Titel im Sortiment, in denen die „Lügen hinter 9/11“ scheinbar aufgedeckt werden.

Google heißt die Quelle in diesen Fällen fast immer, mit heiligem Zorn wird voneinander abgeschrieben, über „Leichtgläubige“ gelacht, Halbwissen und Pseudo-Wissenschaft verbreitet.

„Experten“ stellen kühne Behauptungen auf, zum Beispiel dass das World Trade Center ohne Sprengstoff nicht hätte einstürzen können (stimmt nicht), dass es keine jüdischen Opfer gab (stimmt nicht), dass die Attentäter nicht in den Passagierlisten stehen (stimmt nicht), dass am Pentagon gar kein Flugzeug niederging (stimmt nicht), dass Flug 93 nicht abstürzte, sondern sicher in einem Hangar der US-Luftwaffe landete (stimmt nicht).

Natürlich: Die Anschläge haben bestimmten Kräften in die Hände gespielt, wurden politisch instrumentalisiert – eine Binsenweisheit. Aber eine von finsteren Weltlenkern in Hinterzimmern geplante Operation? Unrealistisch.

Schon alleine, weil es dutzende, wenn nicht sogar hunderte Mitwisser hätte geben müssen: die, die den Sprengstoff deponieren, die, die die Passagierlisten fälschen, die, die die Juden und/oder Freimaurer und/oder Illuminaten und/oder Reptiloiden warnen, die, die die DNA der getöteten Passagiere im Pentagon platzieren. Längst hätte einer von ihnen ausgepackt.

Ein Verschwörungstheoretiker würde jetzt einwenden: Sie starben bei mysteriösen Verkehrsunfällen. Alle.

 

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