Kombinations-Olympiasieger Eric Frenzel: Quarterback und Papa

Kombinierer Eric Frenzel ist krank – und bangt um die Staffel. Dabei sind extra Freundin Laura und Sohn Philipp mit dabei. „Wenn sie vor Ort mitfiebern, gibt mir das noch mehr Anreiz, mein Bestes zu zeigen“

 

SOTSCHI Einzelbett statt Schanzentisch hieß es gestern für Eric Frenzel. Eine Virusinfektion samt Nasennebenhöhlenentzündung zwang ihn am letzten Trainingstag in die Knie – und der Goldmedaillengewinner in der Nordischen Kombination von der Normalschanze bangt nun um seine Teilnahme am Großschanzenwettbewerb (ab 10.30 Uhr/ZDF).

„50:50, höchstens“, betragen die Chancen laut Mannschaftsarzt Stefan Pecher, dass Frenzel mitspringen und -laufen kann. „Ich habe den Start noch nicht abgehakt, wir entscheiden morgen früh“, sagt Frenzel, der zuletzt sechsmal in Folge in seiner Sportart siegte. „Kombination ohne Eric? Das wäre wie Superbowl ohne Quarterback“, sagt US-Konkurrent Taylor Fletcher.

Ein Jammer für Dauersieger Frenzel, der Dienstag sollte doch sein großer Tag werden. Denn endlich sind auch seine Freundin Laura Schwanitz und sein Sohn Philipp (7) in Sotschi eingetroffen. Seine Kraft, die zieht der 25-Jährige mit dem Lausbubengesicht nämlich vor allem aus der Unterstützung seiner Verlobten und seines Sohnes. „Wenn sie vor Ort mitfiebern, gibt mir das noch mehr Anreiz, mein Bestes zu zeigen. Sie machen mich stark“, sagt Frenzel.

Es ist die Geschichte einer nicht ganz alltäglichen Beziehung: Als Laura ihm offenbart, dass sie schwanger ist, da ist sie, die Nachwuchs-Langläuferin, gerade 15, er 18. Dass sie ihre Beziehung seitdem so bravourös gemanagt haben, ist die eigentliche Sensation. „Natürlich musste ich erst mit der Situation klarkommen“, sagt Frenzel, „aber so habe ich früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen.“

Mittlerweile haben sie in Flossenbürg in der Oberpfalz ein kleines Holzhaus gebaut, der Eric, die Laura und der Philipp, der so stolz auf seinen Papa ist. „Philipp liebt das, was ich mache und steht voll dahinter, ist mein größter Fan“, sagt Frenzel. Wann immer es geht, sind sie bei den Wettkämpfen dabei. Als Frenzel 2013 in Oslo den Gesamtweltcup holt, ist Philipp einer der ersten Gratulanten. „Papa Nr. 1“ steht auf dem Plakat, das der Knirps durch den Zielraum schleppt.

„Wenn ich den Rückhalt meiner Familie nicht hätte, wäre es schwierig auf dem hohen Niveau zu bleiben“, sagt er. Und man merkt, dass es ihn schmerzt, die junge Laura im Alltag alleine lassen zu müssen. „Wir sehen uns nicht oft, aber wir haben uns an die Situation gewöhnt“, sagt er. „Ich bin froh, dass sie so viel Verständnis aufbringt.“ Nach Olympia wird geheiratet. Philipp ist mittlerweile in der Schule – was es nicht einfacher macht.

An Wettkampfwochenenden fahren Mutter und Kind Freitagnachmittag los, kommen am Sonntag wieder. Diesmal spielte der Direktor mit. „Das ist eine einmalige Sache“, sagt Frenzel, der dem Schulleiter dankt: „Er hätte auch Nein sagen können. Dass er zugestimmt hat, freut mich sehr.“ Jetzt muss er nur noch gesund werden.

 

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