Kolumbien gegen Polen Bayern-Duell bei der WM: James hui, Lewy pfui

Die Bayern-Star Robert Lewandowski (l.) und James Rodríguez nach dem Spiel. Foto: imago/Sven Simon

Während der Kolumbianer bei seinem Team mit zwei Vorlagen und als Anführer glänzt, schimpft der torlose Lewandowski auf seine Mitspieler. Bayern lehnt einen Tausch mit Real Madrids Benzema ab.

Kasan - Als im Dezember die Gruppen für die Weltmeisterschaft in Russland ausgelost wurden, war Robert Lewandowski noch guter Dinge. Die Aussicht auf die machbare Gruppe H sowie das Duell mit seinem Teamkollegen vom FC Bayern James Rodríguez und Kolumbien gefielen ihm. "Hallo, mein Bruder James", schrieb Lewandowski damals auf Twitter. "Ich erinnere mich noch an deine großartigen Tore bei der letzten WM. Ich hoffe, du wirst dich an meine in Russland erinnern."

Nach dem 0:3, das Lewandowski am Sonntagabend mit Polen gegen die Südamerikaner kassierte, ist nun klar, dass sich niemand an seine Tore erinnern wird. In den ersten beiden Gruppenspielen blieb der Stürmer nämlich torlos und ist mit Polen bereits vor dem letzten Spieltag bei der WM ausgeschieden. James antwortete dagegen auf dem Platz und brillierte als Anführer seiner Mannschaft mit zwei Torvorlagen.

Lewandowski kritisiert Mitspieler

Und nach dem WM-K.o. holte der viel kritisierte Lewandowski selbst zum Rundumschlag aus – und zielte damit bemerkenswert scharf auf seine polnischen Mitspieler. "Aus nichts kann ich nichts machen", klagte er nach dem Debakel, "es gibt keinen Spieler auf der Welt, der den Ball erobert, fünf Gegner und den Torwart ausspielt und dann ein Tor schießt."

Wieder einmal war der Torschützenkönig der Bundesliga in einem entscheidenden Spiel abgetaucht, hatte wie schon mit Bayern in der Champions League gerade dann nicht geliefert, als seine Treffer besonders gefragt waren. Doch die Schuld für seine verkorkste WM-Premiere suchte er bei anderen.

"Ich hatte keine Torchance", behauptete er, "ich wäre wütend auf mich, wenn ich Chancen gehabt und vergeben hätte. Ich bin ein Stürmer, der von Vorlagen lebt." Und dann kam der Tiefschlag des Kapitäns: Die Mannschaft habe "nicht die fußballerische Qualität". Am nächsten Tag bekräftigte Lewandowski im WM-Quartier in Sotschi seine Kritik: "Man konnte einen Klassenunterschied sehen."

James mit Zauber-Assist gegen Polen

Im Stadion von Kasan hatte James nur wenige Meter entfernt das Kontrastprogramm geliefert. Mit strahlenden Augen und einem Dauerlächeln auf den Lippen lobte der Matchwinner seine Mitspieler in den höchsten Tönen. "Wenn man gute Spieler hat, ist es einfacher", sagte der Torschützenkönig der WM 2014: "Es ist immer besser, so viele Talente neben sich zu wissen."

Mit Juan Cuadrado (30) hatte James schon vor vier Jahren in Brasilien kongenial zusammengespielt. Jetzt beteiligte sich auch noch Juan Quintero (25), vom FC Porto an River Plate Buenos Aires ausgeliehen, an dem Kombinationsspiel hinter Radamel Falcao (32).

"Die Zauberformel hieß James-Quintero", urteilte die Zeitung "El Heraldo". In der Tat bereitete das Duo alle Tore mit teils traumhaften Pässen vor: Quintero auf James, dessen Flanke Yerry Mina per Kopf verwertete (40.). Quintero auf Falcao, der sich nach der verpassten WM 2014 seinen Traum erfüllte (70.). Und James auf Cuadrado für den Schlussakkord (75.). Trainer Jose Pekerman warnte dennoch: "Wir müssen uns steigern, wenn wir weiterkommen wollen." Im Gruppenfinale am Donnerstag (16.00 Uhr) gegen Senegal ist ein Sieg notwendig, um sicher ins Achtelfinale einzuziehen.

Darüber muss sich Lewandowski keine Gedanken mehr machen. Gegen Japan geht es nur noch um die Ehre. "Es sind harte Zeiten für uns", meinte der verhinderte Torjäger, "ich fühle Bitterkeit, Wut und Ohnmacht." Sein Plan, sich mit einer starken WM bei einem der großen Klubs Europas zu empfehlen, ist jedenfalls krachend gescheitert. Seine Zukunft beim FC Bayern steht - trotz gültigen Vertrags bis 2021 - in den Sternen.

Wie der "Kicker" berichtet, lehnten die Münchner nun einen Tausch Lewandowskis mit Real Madrid und dessen Mittelstürmer Karim Benzema ab. Die Bayern hätten sich demzufolge gar nicht erst damit beschäftigen wollen. Die Klub-Bosse um Präsident Uli Hoeneß würden weiter darauf setzen, dass Lewandowski in der nächsten Saison für die Bayern spielen werde. Auch dafür blieb der Pole bei der WM allerdings Argumente schuldig.

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