Koks-Alarm auf dem Oktoberfest Wiesn: Täglich Drogen-Razzia im Käfer-Zelt

Claudia Kluthe wurde von den Fahndern kontrolliert. Foto: Bernd Wackerbauer/Imago

Wenn es Nacht wird bei Käfer, dann schauen die Drogenfahnder vorbei. Und zwar täglich. Wie eine Besucherin die Kontrolle erlebt hat, wie massiv die Razzien sind – und was der Wirt dazu sagt.

 

München - Für Claudia Kluthe ist der Abend vorbei. Sie steht in der Käfer Wiesn-Schänke, durchnässt, mitgenommen und geschockt. Eine Stunde zuvor haben Polizisten sie hier mitgenommen, sie zur Wache im Behördenbau gebracht. Wahllos, behauptet sie, und ohne Ergebnis. Claudia Kluthe ist an die Münchner Zivilfahnder geraten.

Im Käfer-Zelt ist die Drogenrazzia heuer fast ein Dauerzustand: Wie die AZ erfuhr, sind Zivilbeamte dort täglich im Einsatz. Vor allem nach 22 Uhr. Dann sollen jedes Mal 20 bis 30 Gäste kontrolliert werden – und zwar gründlich. Der Verdacht: Drogenmissbrauch auf der Festwiese, meist Kokain. Im Visier: vor allem die Käfer-Schänke. Gäste berichten der AZ von Kontrollen ohne Anlass, vor allem beim Toilettengang.

Die Münchner Polizei sagt dazu wenig, doch ihre Statistik legt einen Anstieg nahe. Bis zum neunten Tag des Oktoberfests hatten die Beamten schon 139 Drogendelikte auf der Wiesn registriert. 2014 waren es in derselben Zeit nur 121. Ob es heuer einfach so viel Schnupf-Neuschnee gibt?

Unwahrscheinlich. Stattdessen geht die Polizei dieses Jahr offenbar massiver gegen Wiesn-Kokser vor. Und dabei warten die Fahnder nicht, bis einer eine Koks-Prise einschnauft. „Verdachtsunabhängige Kontrollen sind jederzeit zulässig“, heißt es aus der Behörde. Wie hoch die Summe der Kontrollen ist, dazu gibt es keine offizielle Zahl. Sie dürfte aber auch gestiegen sein.

Was das heißt, weiß Claudia Kluthe jetzt. Die Immobilien-Kauffrau ist am Eröffnungssamstag im Käfer-Zelt. Gegen Viertel nach zehn geht sie zur Toilette. „Dort haben mich vier Männer aufgehalten“, sagt sie. „Zwei haben mich festgehalten, einer hat gleich meine Tasche genommen.“ Es sind Zivilfahnder: Drogenkontrolle. Sie führen Kluthe über die Außentreppe ab zur Wiesn-Wache.

„Dort kam eine Polizistin, und ich musste mich nackt ausziehen“, sagt Kluthe. Dann sei sie einer umfassenden Leibesvisitation unterzogen worden. Als man ihren Ausweis verlangt und sie keinen dabei hat, sei es auch egal gewesen. Offenbar gelangt sie als Unbekannte ins Protokoll, mit einer Überprüfung, die negativ ausfällt.

„Die Polizisten haben mich dann zurückgebracht, durch den Regen, sodass ich durch und durch nass war“, sagt Claudia Kluthe. „Und als ich wieder im Käfer war, haben die Zivilfahnder mir verboten, über die Kontrolle zu sprechen, sonst bekäme ich Zeltverbot.“

So ergehe es derzeit vielen Gästen, berichten Quellen aus der Wiesn-Society. Man fühle sich wie unter Generalverdacht. Nach 22 Uhr könne man ja kaum mehr auf die Toilette gehen, ohne eine Kontrolle zu riskieren.

Wiesn-Schänke-Chef Michael Käfer sagt, er habe noch keine Beschwerden erhalten. Es gebe Kontrollen, nicht nur bei ihm, sondern in allen Zelten. Käfer sagt: „Es sind dieses Jahr nicht mehr Kontrollen als in den anderen Jahren.“ Wie viele genau, wann und mit welchem Ergebnis, das wisse er nicht, schließlich lasse er die Polizei selbstständig arbeiten. „Die Beamten in Zivil haben Ausweise, mit denen sie bei uns jederzeit überall hineinkönnen.“

Schänke-Chef Käfer zeigt sich dankbar über die Arbeit der Polizei

Er sei dankbar für die gute Zusammenarbeit, da er Drogenkonsum in seinem Zelt nicht dulde.

Dass der Wirt der Wiesn-Schänke in seinem Zelt keine Drogen wünscht (wie übrigens auch in seiner Nobel-Diskothek P 1), ist das eine. Dass manch gierige Nasen es trotzdem nicht lassen können, das andere. Und dass die dann „zum Durchatmen“ auf die Toilette gehen, auch nicht ungewöhnlich.

Wohl aus diesem Grund hat Käfer auf den Toiletten Schilder anbringen lassen. Auf denen steht, dass Drogenmissbrauch strafrechtlich verfolgt werde. Ein löblicher Hinweis – und wohl auch ein nötiger.

 

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