Kösk Türkischer Stammtisch

Im Kösk in der Landwehrstraße treffen sich viele türkische Rentner zum Kartenspielen. Dazu gibt es manchmal ein Bier - natürlich aber vor allem Schwarzen Tee. Foto: Gregor Feindt

Im Kösk im südlichen Bahnhofsviertel trifft sich die türkische Gesellschaft – klar, dass dort sehr viel Tee getrunken wird.

 

Ein bisschen Selbstüberredung ist schon dabei, wenn man sich im südlichen Bahnhofsviertel auf die Suche macht. Was soll man zwischen all den Wettbüros und Tabledance-Schuppen schon finden. Angeblich ja den besten türkischen Tee der Stadt. Zunächst ist man ein wenig ungläubig. Aber wer sollte das schon besser wissen als jemand, der in München viel in der türkischen Gesellschaft unterwegs ist.

Der Tipp stammt von Tim Seyfi, dem türkisch-stämmigen Schauspieler, der heute vorzugsweise in Niederbayern-Krimis über die Mattscheibe flimmert. Seyfi ist in Aubing aufgewachsen und hat wahrscheinlich dehalb den Hang, sich vor allem dort gerne aufzuhalten, wo es noch echt und bodenständig zugeht. Türkischen Tee jedenfalls, sagt er, trinkt man am besten in der Landwehrstraße hinterm Hauptbahnhof – und da am besten im Kösk.

Das Kösk ist so etwas wie ein türkisches Bistro. Ein paar Stufen muss man hinaufsteigen, dann steht man in einem wilden Potpourri aus Spielautomaten, Flachbildschirmen und gold gerahmten Stillleben. An den Tischen sitzen fast ausschließlich Rentner und spielen Okey oder Batak, eine Art türkisches Schafkopf. Manche haben ein Bier vor sich stehen, viele aber auch ein kleines Gläschen mit Schwarzem Tee. Und was da nicht fehlen darf, sind mindestens drei Stück Würfelzucker.

Das Kösk gehört Alisan Kilic, einem stämmigen Mann mit beeindruckendem Schnauzbart. Kilic ist eigentlich Taxifahrer. Stolz führt er den Mercedes mit dem persönlichen Kennzeichen vor, das aus seinen Initialen und der Postleitzahl seines Heimatortes Tunceli besteht. Das Taxifahren alleine wurde Kilic vor knapp zehn Jahren allerdings zu langweilig. Deshalb hat er das Kösk aufgemacht, in dem sich nun die türkische Gesellschaft auf einen Tee (1 Euro pro Glas) oder einen Grillteller trifft.

Der Tee wird im Kösk erst mit kaltem Wasser gewaschen, dann darf er zehn Minuten ruhen. Übergießen, erhitzen, warmhalten – es klingt wie eine kleine Wissenschaft, wenn Kilic über die einzelnen Schritte beim Teekochen redet. Wobei er selbst immer nur zum Frühstück Tee trinkt. Das mache wach, sagt er, danach helfe ihm allerdings besser der Kaffee. Der wirke noch ein bisschen stärker.

Landwehrstraße 49, täglich 10-2 Uhr, Tel. 0173 / 37 77 282

 

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