Körperkunst in Frankfurt Gestochen! Irre Bilder von der Tattoo-Convention

Mit rund 700 Tätowierern aus aller Welt gilt die Tattoo-Convention in Frankfurt als weltweit größte Messe für Tätowierkunst. Foto: Boris Roessler

Wie das Internet auch das Tätowieren revolutioniert hat - und warum heute die besondere Art der Körperkultur eine anerkannte Kunst ist

Frankfurt – Das Traum-Tattoo ist nur einen Mausklick entfernt: Mit dem Internet hat die Tattoo-Szene das perfekte Medium. Und weil Tätowieren virtuell nun mal nicht geht, vernetzt sich die Szene im echten Leben bei Messen wie der Frankfurter Tattoo Convention. Die angeblich größte Messe für Tätowierkunst weltweit startete am Freitag (22.3.2012).

Über 700 Künstler präsentieren sich dort dem Publikum. Das Internet hat die Latte hoch gehängt – der Wettbewerb geht über Qualität. „Wenn Du Dich als Tätowierter über Facebook vernetzt, dann hast du sofort 500 weltklasse Tätowierer als Freunde und siehst deren Bilder“, sagt Rolf Drescher (50). Er ist Tätowierer bei „Galerie und Tattoo Herzstich“ aus München. Und einer der Künstler, die zur Messe gereist sind.

Seit 30 Jahren sticht Rolf Drescher Tattoos. Damals waren Tätowierungen bis auf wenige Ausnahmen im Rocker-Milieu verhaftet. In Wien schlossen sich dann vier bis fünf Tätowierer aus der Punk-Ecke zu einer lokalen Szene zusammen, berichtet Drescher. „Es gab einen Qualitätsschub. Der zeigte, dass mehr geht als nur Striche und ausmalen“.

Über zwei Jahrzehnte später haben etwa neun Millionen Deutsche ein Tattoo. Vom Fußballstar übers Pop-Sternchen bis zu Bettina Wulff, der baldigen Ex-Gattin des Ex-Präsidenten. Immer mehr junge Tätowierer drängen auf den Markt. Die Konkurrenz ist hart geworden. Weil Tätowierungen ein Massenphänomen geworden sind, ist das Publikum auf der Frankfurter Convention extrem gemischt. „Sonntags läuft schon mal ein Mütterchen durch die Hallen“, so Drescher. Freitags sind es eher die Szene-Typen.

Auch Selbstdarsteller sind dabei. „Da denkt man vielleicht schon mal: Nicht der schon wieder“. Aber genau diese Typen seien wichtig: Denn die Grenzgänger zeigen auf ihrer Haut, was so möglich ist und heben sich vom normalen Level ab. Drescher: „Und es passiert schon mal, dass eine normale Hausfrau auf einen Freak trifft und dann merkt: So ein Freak ist das gar nicht“.

Und wie in jeder Kunstszene gibt bei den Tätowierungen Stile wie Sand am Meer: Viele lassen sich fotorealistische Motive stechen, andere besinnen sich wieder auf so genannte „Old-School-Motive“ wie Schwalben oder Herzen. Das große Thema auf der Convention in diesem Jahr sind Asia-Motive.

Die Top-Künstler kommen nach Ansicht von Rolf Drescher derzeit aus dem Ostblock. Dort habe Kunst einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Auch das wird sich in der Szene schnell herumsprechen. Denn: Die Bilder stehen längst im Netz.

 

0 Kommentare