Kochwettbewerb Fast echt karibisch

So sieht eine perfekte Fischsuppe aus. Hobbyköchen gelingt das meistens nicht so überzeugend. Foto: dpa

Und wo bekomme ich jetzt Koriandergrün her? „Urlaubsküche“ heißt das Thema unseres diesjährigen Kochwettbewerbs. Einer unserer Juroren hat damit spezielle Erfahrungen gemacht

 

Ich hatte es schon befürchtet, als Klaus anrief und mir von seiner Urlaubsreise nach Vietnam berichtete, von der er gerade zurückgekehrt war. „Mensch, ich sag dir, tolle Sachen zum Kochen hab ich mitgebracht!“ Natürlich. Es ist immer das Gleiche: Wer, wie ich, in seinem Bekanntenkreis als Freizeitkoch berüchtigt ist, bekommt aus aller Welt großartige, möglichst exotische Zutaten mitgebracht. Halbverfaulte Kokosnüsse aus Thailand zum Beispiel, schlaffe Zucchiniblüten aus Kreta, unreife Limonen aus der Karibik, steinharte Babybananen, ungenießbare Trockenfrüchte und Paranüsse, die nach Seife schmecken.

Manche Freunde bringen auch völlig normale Tomaten oder Gurken mit, die genauso schmecken wie die vom Rewe in Harlaching, aber vom Markt in Houmt Souk auf Djerba stammen. Und erst die Gewürze! Wir haben in unserem Haushalt etwa 37 dekorative Plastiksäckchen mit Curry, Kreuzkümmel, Senfkörnern, Koriander, Kardamom, toskanischen Mischungen und indischen Wunderkräutern. Von Zeit zu Zeit werfe ich unauffällig ein paar davon weg.
Klaus sagt enthusiastisch: „Weißt du was? Wir kochen am Samstag vietnamesisch. Bei dir. Ich bringe alles mit, okay? Sogar eine super Kokosnuss aus Saigon. Und tausend Gewürze – kannst du dann behalten!“ O Gott, bitte nicht. Ich sage: „Toll, ich freu mich schon!“

Es ist ja wahr: Mir geht es nicht anders, wenn ich von einer Reise zurückkehre.Dann muss möglichst bald mit vielen Freunden ein Menü aus der Urlaubsregion zelebriert werden. Dabei gilt: Je authentischer alles ist, desto besser. Also möglichst viele Lebensmittel noch am letzten Urlaubstag einkaufen, wenn’s geht auf dem lokalen Markt, schlimmstenfalls ist auch der Flughafen-Shop in Ordnung. Ganz wichtig sind die Weine der Region, deren Verkostung in der Heimat immer gleich abläuft: „Aaah, großartig“, ruft nach dem ersten Schluck der Urlauber aus – und sitzt in Gedanken in der Taverne am Strand oder in der Bar auf der Piazza. „Wrrrg, sauer“, denkt der Gast, lässt sich aber nichts anmerken, sondern sagt taktvoll: „Toller Wein! So authentisch.“

Ähnlich verhält es sich beim Urlaubs-Essen, dessen Geschmack stark von den damit zusammenhängenden Erinnerungen beeinflusst wird. Zum Beispiel an einen Abend in einem kreolischen Restaurant auf Grenada, an die exotischen Gerüche, die aus der Küche drangen, an das Lachen der Kinder auf der Straße und das Geschrei der Möwen unten am Hafen. Und natürlich an das Westindische Fischcurry, das unvergleichlich nach Ingwer durftete.
Der Tag, an dem ich das Westindische Fischcurry zu Hause in München nachkochen will, verläuft zunächst nicht ganz so romantisch. Es regnet und ist saukalt, und draußen schreien keine Möwen am Strand, sondern Autos lärmen vorbei. Ich bin trotzdem bester Dinge; schließlich habe ich noch in St. George das Handbuch „Classic Caribbean“ erstanden, in dem alle wichtigen Originalrezepte der Region erhalten sind. Also nichts wie ran!

Die Probleme beginnen beim Einkaufen der Zutaten. Der Rewe hat heute keinen Ingwer; also schön, nehmen wir Knoblauch, der ist auch scharf. Was noch? „Ungesüßte konzentrierte Kokoscreme.“ Gibt’s nicht. Im Müsliregal stehen stehen immerhin geraspelte Kokosflocken. Vielleicht, so kalkuliere ich, kann man die ja mit Sahne aufmixen, das müsste so ähnlich schmecken wie echte Kokoscreme. Statt der Seeteufelfilets kann man sicher auch Heilbutt nehmen. Aber wo zum Teufel bekomme ich Fenchelsamen und Koriandergrün her? Egal, Petersilie und Kümmel gehen auch.

Wie das Karibische Fischcurry gelang? Nun, mir schmeckte es ausgezeichnet. Ich dachte während des Kochens daran, wie die Sonne hinter der Silhouette von Cariacou ins Meer sinkt und an die Delfine, die auf dem Weg zu dieser kleinen Insel die Schiffe begleiten und immer wieder aus dem Wasser springen.

Meine Gäste lassen sich diese Geschichten gerne erzählen, es sind höfliche Menschen. Und was das Essen betrifft, sagen sie in solchen Fällen: „Schmeckt hochinteressant. Irgendwie... so anders.“

 

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