Klitschko vs. Haye Wladimir Klitschko: „Ich will, dass er leidet“

Wladimir Klitschko bereitet sich beim Stanglwirt auf den Showdown gegen David Haye vor. „Ich hoffe nur, dass er wirklich antritt und nicht wieder kneift.“

 

Tiefschwarze Wolken umhüllen den majestätischen wilden Kaiser, Blitze zucken, erhellen den Berg für Sekundenbruchteile, ehe dann der Gott des Donners in brachialer Gewalt loslegt und das Tiroler Bergtal mit seinem infernalischen Echo erfüllt.

„Wenn es hier gewittert, könnte man glatt meinen, der Tag des jüngsten Gerichts ist da“, sagt Emanuel Steward.

Die amerikanische Boxtrainer-Legende bereitet Wladimir Klitschko, Weltmeister der Verbände IBF, WBO und IBO, im Trainingslager beim Stanglwirt in Going auf den Showdown, den Kampf der Kämpfe, gegen WBA-Champion David Haye vor.

Für einen der beiden Boxer wird der 2. Juli wirklich zum Tag des jüngsten Box-Gerichts. Eine Niederlage würde für beide wohl jeweils das Ende der Karriere bedeuten. Vor über 50.000 Fans werden sich die Kontrahenten, die eine abgrundtiefe Antipathie pflegen, im Fußballstadion in Hamburg gegenübertreten. Das martialische Motto des Kampfes der Intimfeinde: „The War“ – der Krieg.

„Es wird auf jeden Fall eine Schlacht“, sagt Klitschko. Für diese Schlacht quält sich der Hüne in den Tiroler Alpen bereits seit Wochen. Am Ende wird er über 100 Sparringsrunden gegangen sein, Kilometer an Bahnen geschwommen sein, tonnenweise Gewichte gestemmt haben. Eigentlich alles wie immer. Und doch ist es anders.

„No more Mr. Nice Guy“, sang Schockrocker Alice Cooper einst, und Wladimir, der bisherige „Mr. Nice Guy des Boxens“, hat endgültig seine böse Ader entdeckt. Im Ring bekommen es seine Sparringspartner schmerzhaft zu spüren. Der ehemalige Cruisergewichtsweltmeister Ola Afolabi ist eines der Opfer. Immer wieder donnert Dr. Eisenfaust ebendiese an den Schädel Afolabis, zwei Mal beendet Klitschko einen Clinch, indem er seinen Gegner zu Boden wirft. „Wladimir ist so stark, er schmeißt mich wie eine Spielpuppe rum. Und er schlägt zu wie ein Pferd. Vergangene Woche hat er mich voll getroffen. Ich hatte vier Tage Kopfschmerzen, die linke Gesichtshälfte war taub. Haye tut mir leid, er wird noch mehr abkriegen“, sagt Afolabi.

Denn dieser Kampf ist mehr als nur ein Fight, es ist die Zeit der Abrechnung. Klitschko will es dem britischen Großmaul, das bereits zwei Mal Fights mit den Klitschkos platzen ließ, heimzahlen. Er will Haye dafür büßen lassen, dass der die Klitschkos, die am Mittwoch ihren Vertrag mit RTL um fünf Kämpfe verlängerten, immer wieder übelst beleidigt hat, dass er auf einer Fotomontage mit Wladimirs abgeschlagenem Kopf posiert hat, dass er sich T-Shirts drucken ließ, auf denen die enthaupteten Körper der Klitschkos blutverschmiert am Boden liegen und Haye die Häupter in Siegerpose gen Himmel reckt. „David hat keinen Stil, keinen Respekt. Ich will, dass er leidet. Boxen ist Kunst. Hayes Gesicht ist die Leinwand, ich werde viel rote Farbe benutzen“, verspricht Klitschko. Und Steward sagt: „Dieser Kampf ist für Wladimir persönlich. Ich habe ihn bisher erst einmal so bösartig erlebt, das war 2006 gegen Chris Byrd. Damals war er sauer, weil ihn dessen Familie verspottet, als Feigling beleidigt hatte. Die Strafe, die Byrd bekam, war fürchterlich, der Knockout in der 7. Runde brutal, aber das ist nichts im Vergleich zu jetzt.“

Und Klitschko hat noch ein paar deftige Worte für seinen Intimfeind parat.

„Ich hoffe nur, dass Haye wirklich antritt und nicht am Ende wieder kneift. David, wenn du dich verstecken willst, das Haus von Bin Laden ist jetzt frei. Im Ring wirst du dich nicht verstecken können.“

Denn dann ist die Zeit für die Abrechnung, den Tag des jüngsten Box-Gerichts.

 

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