Klinikum Harlaching 30 Minuten mehr Zeit, um ein Herz zu retten

Dietmar Pawlik (Geschäftsführer des Städtischen Klinikums), Ann-Sophie, Daniel Gerber vom Rettungsdienst mit dem NIDA-Pad. Foto: Daniel von Loeper

Ab jetzt geht’s noch schneller, wenn man die 112 wählt. Das Klinikum Harlaching nutzt digitalen Notfallassistenten.

Harlaching - Früher sei es so gewesen: "Wann kommt der Rettungswagen? – Wenn er vor der Tür steht", erklärt Dr. med. Ulrich Heindl, leitender Oberarzt im Notfallzentrum Harlaching. Man wusste nicht, wann der Sanka kommt, was es für ein Unfall war und erst recht nicht was dem Patienten fehlt. Inzwischen ist das anders – dank digitaler Technik.

Entspannt wirken die fünf Herrschaften, Vertreter des städtischen Klinikums München, des Bayerischen Roten Kreuzes, des MKT Krankentransports, und, extra aus Bad Kissingen angereist, des ZTM (Zentrum für Telemedizin). Was sie gemeinsam vorstellen: das NIDA-Pad (Notfall-Informations- und Dokumentations-Assistent). Eine digitale Notaufnahme quasi, die vor allem den Patienten hilft.

Früher legte der Rettungsassistent das Protokoll handschriftlich an. Es war nicht ausgeschlossen, dass dies der Kollege mit der Sauklaue oder der, der schnell Dinge verlegte, war. Schwierig. Mit dem NIDA-Pad läuft das jetzt so: Die Helfer treffen am Unfallort ein. Sie können, auch wenn der Patient noch nicht transportbereit ist, schon beginnen, seine Akte digital anzulegen. Das Protokoll umfasst Informationen zu Puls, Blutdruck, Alter und Geschlecht. Die Krankenkarte wird eingelesen, ein EKG angefertigt, ein Bild gemacht und alles gebündelt als PDF an die Notaufnahme geschickt. Ein weiterer Vorteil: Werden die Daten einmal in die Akte eingetragen, bleiben sie dort auch und müssen nicht erneut eingetragen werden.

"Die Vorteile für die Rettungskette liegen auf der Hand", ergänzt Sönke Lase vom Bayerischen Roten Kreuz. Die Übergabezeit verkürzt sich deutlich, die Einsatzkräfte können so schneller auf den nächsten Alarm reagieren. "Schon eine halbe Stunde kann entscheidend sein zwischen einem normalen Leben und einem eingeschränkten", erklärt Dr. Ulrich Heindl.

München ist die letzte Stadt in Bayern, die dieses System bekommen hat. Die Testphase dauerte fast zwei Jahre.

Ende 2014 wurde gestartet, drei Notfallwagen wurden mit dem Tablet ausgestattet. Seit August 2017 ist die erfolgreiche Testphase abgeschlossen – 600 Personen konnte so schneller geholfen werden.

Am Klinikum Harlaching wird schon damit gearbeitet, die Standorte Bogenhausen, Neuperlach und Schwabing folgen dieses Jahr. Die Schulungen der Rettungskräfte haben schon begonnen. Als größter Gesundheitsversorger im südlichen Bayern nimmt das städtische Klinikum knapp 40 Prozent aller Notfälle auf, das entspricht in etwa 170.000 Menschen im Jahr.

Aber in der Praxis? Hat man mit dem Ding auch mal schlechtes Netz? Das Tablet läuft über Funk, und klar, manchmal habe es "ein paar Anläufe gebraucht, aber es hat immer geklappt, alle Daten zu übermitteln, bevor der Patient in der Klinik war", so Oberarzt Heindl.

Und die persönlichen Informationen, sind die denn sicher vor Fremdübergriffen? Die Ende-zu-Ende Verschlüsselung wurde vom Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz, Thomas Petri, abgesegnet.

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