Klinik-Protest Mit Zahlen gegen den Pflegenotstand

Angestellte der Münchner Universitätsklinik Großhandern halten Nummern in die Luft, die fehlende Stellen symbolisieren. Foto: dpa/Kneffel

Münchner Klinikmitarbeiter haben gestern während ihrer Mittagspause Nummern in die Luft gehoben – und damit gegen den drängenden Personal- und Pflegenotstand im Gesundheitswesen protestiert.

 

München – Mehr von uns ist besser für alle“ lautet das Motto der Protestaktion, zu der die Gewerkschaft Verdi gestern Kliniken in München, aber auch im Rest von Deutschland aufrief. Die Mitarbeiter der beteiligten Kliniken traten um 13 Uhr während der Mittagspause vor ihren Arbeitsplatz, jeder hielt für zehn Minuten ein Schild hoch.

Darauf zu lesen waren fortlaufende Nummern von 1 bis 162 000 – denn das ist laut Verdi die Anzahl an Beschäftigten, die deutschen Krankenhäusern derzeit fehlt, 70 000 Stellen davon in der Pflege. Auf Bayern gerechnet bedeutet das: 21 000 zusätzliche Stellen müssten geschaffen werden, davon 10 000 Pflegekräfte. Mit jeder hochgehaltenen Nummer sollte symbolisch eine fehlende Stelle vertreten werden.

Auch zahlreiche Münchner Klinikmitarbeiter wollten ein Zeichen setzen. Beteiligt haben sich neun Krankenhäuser. Im Klinikum Neuperlach protestierten über 200 Beschäftigte, im Universitätsklinikum Großhadern und Innenstadt traten insgesamt 100 Teilnehmer vor die Tore, um auf Personalmangel, die kritische Belastungssituation der Beschäftigten und die möglichen Konsequenzen für die Patientenversorgung aufmerksam zu machen.

In ganz Bayern wurden 21 000 Schilder hochgehalten. „Wir sind sehr überrascht von der großen Resonanz. Das zeigt, dass wir das richtige Thema getroffen haben“, erklärt Dominik Schirmer, Verdi-Landesfachbereichsleiter für Bayern. Mit der Aktion, an der sich deutschlandweit über 1300 Kliniken beteiligt haben, kritisiert die Gewerkschaft auch den vorgelegten Gesetzesentwurf für die Krankenhausstruktur. Die geplanten Neuregelungen zur Krankenhausfinanzierung würden die ohnehin schon angespannte Personalsituation weiter verschärfen.

Verdi fordert stattdessen eine gesetzliche Personalbemessung. „Die Politik will Wettbewerb, und wenn es um die beste Qualität geht, ist das auch in Ordnung. Aber der Wettbewerb darf nicht auf Kosten des Personals gehen. Hier muss die Politik regulierend eingreifen“, so Schirmer. Die Mitarbeiter würden vor allem in der Pflege, aber auch in anderen Bereichen fehlen: „Im Grunde beklagen alle Abteilungen, dass sie zu wenig Beschäftigte haben.“

Der Zeitpunkt für die größte Protestaktion in der Geschichte des deutschen Gesundheitswesens war gut gewählt: Die Gesundheitsminister tagten in Bad Dürkheim. Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler überreichte den Gesundheitsministern am Nachmittag mit dem „Bad Dürkheimer Appell“ eine Liste der Verdi-Forderungen.

 

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