Klavierabend im Prinzregententheater Valentina Lisitsa lässt das Publikum wählen

Für ihr soeben erschienenes Album mit Werken des britischen Minimalisten und Filmkomponisten Michael Nyman posierte Valentina Lisitsa an einer Meeresküste. Foto: Decca

Die im Internet bekannt gewordene Pianistin lässt das Publikum vor ihrem Klav ierabend im Prinzregententheater über das Programm abstimmen. Beethoven, Liszt, Chopin und Nyman stehen zur Wahl

 

Valentina Lisitsa? Bis vor Kurzem war die ukrainische Pianistin mit Wohnsitz in den USA hierzulande noch so gut wie unbekannt. Doch mittlerweile kommt ihre Karriere auf Touren. Gerade ist die Künstlerin mit dem langen blonden Haar kurzfristig in Paris eingesprungen. Dann schnell in den Flieger nach München zu einem Recital in der bayerischen Provinz. Lisitsa hat kaum geschlafen und ein mörderisches Programm vor sich. Liszt, Schubert, Rachmaninow, Beethoven. Auf den Plakaten im Audimax der Universität Regensburg ist sie als „Erster Youtube-Star der klassischen Musik“ angekündigt.

Lisitsa wirkt aufgekratzt, als sie im Sturmschritt zum Interview erscheint. „Ich habe erstmal ein paar Tassen Kaffee getrunken“, sagt sie atemlos auf Englisch mit einem harten slawischen Akzent. „Jetzt geht es mir wieder ganz gut.“ Ihre Geschichte klingt wie ein modernes Märchen, ein Märchen aus den Zeiten des Internets. Es geht so: Begabte Pianistin versauert in der amerikanischen Provinz, verliert aber nicht den Glauben an sich und die Kunst, sondern ergreift die Initiative. Sie stellt ein eigenes Video ins Netz, die Etüde 39 Nr. 6 von Sergej Rachmaninow, ein Renner des Repertoires. Die Aufnahme in „dürftiger VHS-Qualität“ kommt an bei der Netzgemeinde.

Im Netz berühmt, außerhalb weniger

Die Klickzahlen steigen, neue Videos, die sie beim Üben und Konzertieren zeigen, folgen. Mit der „ersten Youtube-Pianistin“ erfinden Lisitsa und ihr Mann, ebenfalls Pianist, eine Marke. Und die kommt an in Zeiten, in denen das Klassikpublikum immer älter wird und die Orchester, Opernhäuser und Konzertveranstalter händeringend nach Wegen suchen, wie sie junge Leute für klassische Musik begeistern können.

„Man muss sich eine gute Story zulegen“, sagt Lisitsa. „Das mag wie ein Gimmick klingen, aber es funktioniert.“ 2012 dann der Durchbruch: Lisitsa spielt vor 8000 Zuhörern in der Londoner Royal Albert Hall. Mittlerweile verzeichnet ihr Youtube-Auftritt mehr als 70 Millionen Klicks und 130000 Abonnenten. Mit ihrem Publikum kommuniziert die Anfang 40-jährige Lisitsa regelmäßig auch über Facebook. Ganz stolze Mutter, präsentiert sie ein Video mit ihrem acht Jahre alten Sohn, der vom Vater im gemeinsamen Heim in North Carolina gehütet wird.

Abstimmung über das Programm

Valentina Lisitsa sei ein interessantes Phänomen, sagt Michael Schöne, Marketingleiter bei der Münchner Konzertagentur MünchenMusik. Im Netz sei sie bekannter als Superstars wie Lang Lang oder Anna Netrebko. „Sie hat sehr früh einige der populärsten Werke der Klavierliteratur ins Netz gestellt und dadurch über Suchmaschinen schnell hohe Klickzahlen erreicht.“ Allerdings lasse sich ihr Bekanntheitsgrad im Worldwideweb bislang noch nicht adäquat in Ticketverkäufe ummünzen.

Am kommenden Montag spielt die Pianistin im Prinzregententheater. Vor dem Konzert darf bis 19.50 Uhr im Foyer abgestimmt werden. Jeder Konzertbesucher hat zwei Stimmen. Zur Auswahl stehen drei Programmteile, von denen Lisitsa zwei spielen wird. Einer mit Werken von Ludwig van Beethoven, ein anderer mit Etüden von Chopin und ein dritter mit Liszts h-moll-Sonate und Werken des britischen Minimalisten Michael Nyman, die Lisitsa eben auf CD veröffentlicht hat.

In Regensburg hatten die Konzertbesucher die Wahl zwischen Liszt und Beethoven – durch Handaufheben im Auditorium. Ein eindeutiges Ergebnis trotz mehrerer Anläufe kam nicht zustande.

Lisitsa kündigte kurzerhand ein Überraschungs-Potpourri aus allen drei Optionen an. „Ich bin sicher, es wird ein wundervoller Abend.“

Klavierabend am Montag, 24. März, 20 Uhr, im Prinzregententheater

 

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