Klaus Fischer im AZ-Interview "Lewandowski ist der perfekte Mittelstürmer"

Robert Lewandowski ist vertraglich noch bis 2019 an den FC Bayern gebunden. Foto: dpa

Schalkes Rekordtorjäger Klaus Fischer hält den Angriff des FC Bayern für den besten in Europa. Im AZ-Interview sagt er über den Polen: "Ihn bräuchte auch die deutsche Nationalelf."

 

AZ: Herr Fischer, die Bayern-Stürmer Robert Lewandowski und Thomas Müller treffen schon zu Saisonbeginn, wie sie wollen. Heute spielen die Bayern bei Ihrem früheren Klub Schalke 04. Wie kann man Lewandowski und Müller überhaupt aufhalten?

KLAUS FISCHER: Gar nicht.

Gar nicht?

(lacht) Nein, ich glaube nicht, dass das funktioniert. Viele Mannschaften haben es gegen die Bayern versucht, indem sie hinten drin standen, trotzdem haben Lewandowski und Müller dann ihre Tore geschossen.

Hat Bayern den besten Sturm in Europa?

Absolut. Es sind ja nicht nur Müller und Lewandowski. Man hat noch Ribéry und Robben, wenn er wieder fit ist, dazu Coman und Costa, aus dem Mittelfeld noch Vidal und Thiago. Das sind ja keine Nullinger, sondern Weltklassespieler. Bayern hat ganz einfach eine Mannschaft zum Verlieben.

Lewandowski ist ein klassischer Mittelstürmer – wie Sie früher auch. Kommt es ihm entgegen, dass er nun wieder mehr im Zentrum spielen darf und weniger auf die Flügel ausweicht wie noch unter Pep Guardiola?

Ja, natürlich. Einer wie Lewandowski muss vor dem Tor sein, im Strafraum, da bekommt er eben seine Abschlüsse. Für mich ist er der perfekte Mittelstürmer. Ihn bräuchte auch die deutsche Nationalelf, so einer fehlt uns.

Sie schwärmen ja richtig.

Ja gibt es etwas, das er nicht kann? Nein! Er hat bei Bayern auch das Glück, dass er viele Flanken bekommt. Aber wie er sich auf engstem Raum immer wieder durchsetzt und behauptet, wie beweglich er ist, das ist sensationell.

Trauen Sie es Lewandowski zu, den 40-Tore-Rekord von Gerd Müller zu brechen?

40 Tore sind eine Hausnummer. Ich glaube es nicht. Aber wenn es möglich wäre, dann jetzt in dieser Zeit beim FC Bayern. Zwischen 30 und 35 Tore wird Lewandowski in jeder Saison machen.

Ein Seitfallzieher-Tor ist Lewandowski vergangene Saison beim 5:1 gegen Wolfsburg gelungen, als er fünfmal traf. Fallrückzieher, die Sie früher in Perfektion beherrschten, sieht man bislang nicht von ihm.

Das hängt immer von der Situation ab, ob man einen Fallrückzieher ansetzen kann oder nicht. Der Abwehrspieler darf nicht zu nah dran sein, sonst pfeift der Schiedsrichter ab. Der gegnerische Strafraum ist für den FC Bayern immer voll besetzt, das ist ein kleines Problem für Lewandowski.

Schalkes Mittelstürmer heißt Klaas-Jan Huntelaar. Ist er die große Hoffnung heute auf Tore gegen Bayern?

Tja, was soll man dazu sagen. Huntelaar ist nicht Lewandowski, das ist klar. Lewandowski ist beweglicher im Strafraum, er holt sich auch die Bälle. Huntelaar ist sehr auf die Spieler auf den Außenbahnen angewiesen. Er kann Tore machen, klar, aber wenn seine Mitspieler nicht funktionieren, funktioniert er auch nicht.

Immerhin wurde mit Breel Embolo ein Toptalent verpflichtet, das Huntelaar unterstützen soll.

Es ist die Frage, ob er der Typ ist, der Huntelaar mit Pässen und Vorlagen füttert. Choupo-Moting ist nicht dieser Typ, Leroy Sané war es auch nicht. Bei Bayern ist das was ganz anderes. Von Ribéry und Coman bekommst du den Ball zurück, sie flanken auf den Stürmer im Strafraum.

Glauben Sie, dass bei Schalke unter dem neuen Trainer Markus Weinzierl und dem neuen Manager Christian Heidel endlich mal Ruhe einkehrt?

Ich hoffe es. Weinzierl und Heidel müssen den Jungs mal richtig Bescheid sagen. Beim Spiel in Frankfurt (0:1, Anm. d. Red.) haben einige enttäuscht. Die neuen Spieler müssen jetzt so schnell wie möglich integriert werden. Die Erwartungen sind natürlich da, dass wir oben mitspielen. Wir können nicht mit Bayern oder Dortmund mithalten, aber dahinter ist etwas möglich für uns.

Verfolgen Sie eigentlich noch die Entwicklung beim TSV 1860? Zu Beginn Ihrer Karriere spielten Sie bei den Löwen.

Ich hatte dort eine tolle Zeit, aber persönlichen Kontakt gibt es nicht mehr. Was bei 60 abläuft, ist für mich unglaublich.

Was meinen Sie konkret?

Der Klub hat in München so viele Fans, ich würde es 60 wünschen, dass sie mal wieder nach oben kommen. Aber sie müssen immer die besten Spieler verkauft werden, und was in der Vereinsspitze läuft – da müssen wir ja gar nicht drüber reden. Seit Wildmoser weg ist, klappt nichts mehr bei den Löwen.

 

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