Klauen in der Firma „Diebstahl durch Mitarbeiter ist ein riesiges Problem!“

Josef Schmid (links), der Gründer der Backspielhaus-Kette, mit Mitarbeitern in seinem Café Ludwigsbar. Foto: Petra Schramek

Nicht nur Putzi Holenia wurde bestohlen. Pumpenwerk-Chef Josef Schmid schätzt das Umsatz-Minus in der Gastronomie auf fünf Prozent – mindestens.

 

München - Kriminelle Angestellte in der Gastronomie sind kein Einzelfall, da ist sich Josef Schmid, Mitgründer des Backspielhauses und Wirt des Pumpenwerks in Pasing, sicher. „Nicht nur bei Putzi Holenia, auch in anderen Gaststätten gibt es Personal, das systematisch klaut. Das gleiche passiert in Bäckereien und Konditoreien“, sagt der Wirt, der in München auch „Seppls Zuckerbäckerei“ mit sechs Filialen betreibt.

Die betrügerische Masche mit den Butterbrezn

Wie die AZ berichtete, haben bei Promi-Wirt und „Haferlgucker“ Putzi Holenia sechs Mitarbeiter jahrelang mit der Schaumtaste heimlich Bier gezapft und damit in fünf Jahren ingesamt rund 50 000 Halbe gefüllt. Diese verkauften sie schwarz und prellten damit die Wirtefamilie vom Paulaner im Tal um rund 200 000 Euro.

Pumpenwerk-Chef Josef Schmid hat mit einzelnen Angestellten auch schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht. „Es waren oft die nettesten Mitarbeiter und diejenigen, denen ich vertraut habe, die mich bestohlen haben.“ Mal bedienten sie sich aus der Kasse, mal legten sie tagsüber heimlich Ware beiseite, die sie abends mit nach Hause nahmen.

Der 59-Jährige hat schon mehrmals einen Detektiv auf verdächtige Mitarbeiter angesetzt. „Ich muss mich selber schützen vor meinem Personal“, sagt er. Erst vor Kurzem hat er zwei Mitarbeiterinnen mit Hilfe des Detektivs überführt. „Die eine hat zeitweise in acht von zehn Fällen nicht bonniert. Der Schaden liegt bei mehreren Tausend Euro.“

Eine andere Angestellte fiel ihm auf, weil sie in einer seiner Zuckerbäckerei-Filialen nie Butterbrezn verkaufte. „Die geh’n hier nicht!“, sagte sie zu ihrem Chef. Josef Schmid glaubte ihr nicht und beauftragte den Detektiv Eugen Banhierl. Und siehe da: Die Verkäuferin hatte ihn lächelnd belogen. Denn die Videoüberwachung bewies, dass die Frau sehr wohl Butterbrezn verkaufte – allerdings tippte sie nur den Preis für die ungeschmierte Breze in die Kasse. Die Differenz steckte sie in die eigene Tasche.

Andere Mitarbeiter hätten ihn auf andere Art und Weise geprellt. „Mein Personal im Pumpenwerk darf kostenlos essen und trinken. Manche nutzten das schamlos aus. Wenn ich nicht da war, bestellten sie die ganze Familie oder Freunde und Bekannte ein und beköstigten sie umsonst. So etwas macht mich wütend.“

Inzwischen hat sich Josef Schmid von den schwarzen Schafen getrennt. „Heute habe ich ein sehr gutes, nettes Team. Ein vertrauensvoller Umgang ist sehr wichtig für eine gute Gastronomie.“ Der Münchner schätzt den Schaden, der durch kriminelle Angestelle in der Gastronomie verursacht wird, auf mindestens fünf Prozent vom Umsatz. „Ich bin mir sicher, dass in Deutschland so jedes Jahr Milliarden verschwinden. Und wir Gastronomen kommen deswegen beim Finanzamt in Erklärungsnot.“ Das Geld könnte – wenn es nicht in den Taschen einzelner Mitarbeiter verschwinden würde – allen zugute kommen. „Von dem Geld könnte man zum Beispiel Weihnachtsgeld zahlen“, sagt der Wirt.

Detektiv Eugen Banhierl hat schon sehr viele Diebe überführt und befragt. Er sagt: „Viele haben noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Sie sind der festen Überzeugung, dass ihr Arbeitgeber so viel verdient, dass er es gar nicht spürt, wenn er beklaut wird.“ Dass der Schaden schnell zu einer großen Summe anwächst, wenn viele Einzelne viele kleinere Beträge abzwacken, interessiere die Täter nicht.

„Für die Richter sind solche Diebstähle nur Bagatellfälle“

Wirt Josef Schmid ist Arbeitgeber von rund 40 Angestellten. Was kriminelles Personal betrifft, fühlt sich der Wirt von der Justiz völlig allein gelassen. „Für die Richter sind solche Diebstähle nur Bagatellfälle. Die sind chronisch überlastet und wollen so etwas möglichst schnell vom Tisch haben. Meistens fällen sie nicht einmal ein Urteil. Stattdessen schlagen sie fast immer einen Vergleich vor. Die Diebe sind dann noch nicht einmal vorbestraft und können woanders weiterklauen. Ich habe es satt, mich solch demütigenden Prozessen mit arroganten Richtern auszusetzen.“

Der Wirt kritisiert, dass die Justiz damit provoziere, dass Unternehmer diebische Angestellte gar nicht mehr anzeigen, weil es sowieso nichts bringe. „Damit wird es den Tätern leicht gemacht“, schimpft Schmid. Er fordert, dass diebische Angestellte den Schaden, den sie angerichtet haben, komplett wieder zurückzahlen müssen. Und dass die Diebe irgendwo erfasst werden. „Wir Gastronomen brauchen eine interne Datei, in der wir die schwarzen Schafe erfassen können. Ich wäre gern bereit, so eine Datei mit aufzubauen.“

 

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