Klassik Romantisierende Wohlfühl-Atmosphäre

Straff waren die Tempi, der Klang geriet transparent dank Pablo Heras-Casado. Foto: Jean-Francois-Leclerq

Das Symphonieorchester des BR mit einem Einspringer und zwei Stars an den Saiten

 

Yannick Nézet-Séguin war erkrankt. Für ihn übernahm der Spanier Pablo Heras-Casado das Abo-Konzert des BR-Symphonieorchesters. Christian Tetzlaff (Violine) und Antoine Tamestit (Bratsche) hatten sich angesagt, um Mozarts „Sinfonia concertante” KV 364 zu musizieren. Genug Anlass also, gespannt zu sein.

Am Ende konnte nur Schumanns vierte Symphonie überzeugen. Pablo Heras-Casado wählte straffe Tempi, gestaltete den Übergang vom dritten zum vierten Satz mit einer Dramatik, die an Bruckner erinnerte, achtete aber immer darauf, dass das instrumentale Geschehen transparent blieb. Die Präzision im instrumentalen Zusammenspiel hielt sich, wie zuvor schon bei den „Four Sea Interludes” aus Brittens Oper „Peter Grimes”, in Grenzen. Musikalisch aber stand alles bestens.

Leider entwickelte sich Mozarts „Sinfonia concertante” zu einem ziemlich belanglosen Dialog: Der Geiger, ohnehin kein Fan kraftvoll-direkter Töne, versuchte sein Glück in vornehmer Zurückhaltung, die Bratsche setzte nichts dagegen. Auch der Dirigent blieb allzu gelassen und kümmerte sich mehr um romantisierende Wohlfühl-Atmosphäre als um rhythmische Prägnanz.

 

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