Klassik Romantisch nervös bis stürmisch

Glanz und Grenzen der Virtuosität: Boris Berezovsky. Foto: Crokes

Boris Berezovsky spielt Beethoven, Schumann und Franz Liszt im Herkulessaal

 

Der Mann spielt voll auf Risiko. Mit einmalig voll tönend orchestraler Fülle verwandelt Boris Berezovsky die „Waldstein“-Sonate in ein erstklassiges Virtuosenstück. Auf der rasenden Flucht vor dem deutschen Tiefsinn lodert eine romantische Nervosität, als sei Beethoven ein Zeit- und Irrsinnsgenosse von Robert Schumann.

Warum eigentlich nicht? Die schweifende Kleinteiligkeit von dessen Davidsbündlertänzen kommt dem Klangsinn des Pianisten weiter entgegen. Noch mehr als der rauschende Klang beeindruckt hier der Lakonismus, mit dem dieser Kraftkerl den Schluss lyrischer Episoden fast zufällig wie einen Schwarm Schmetterlinge davonflattern lässt.

Das alles wären theoretisch ideale Voraussetzungen für Franz Liszts h-moll-Sonate. Aber diesem Stück bekommt vorwärtsstürmendes Draufgängertum nicht wirklich. Zwar tönte Berezovksy den Choral vor der langsamen Episode wunderbar ab und verlegte Sentimentalisches hinter einen Schleiervorhang. Den Titanismus Liszts blies er zur Überlebensgröße auf. Damit bewirkte er das schiere Gegenteil: Die Musik trampelte herum wie ein Popanz aus Plüsch, als schlechte große Strumpfhosenoper. Kraft als Selbstzweck aber kann nicht der Sinn dieses so genialen wie leicht fragwürdigen Stückes sein.

Robert Braunmüller

 

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