Klangfest im Gasteig Münchens Gasteig klingt knallbunt

Gasteig-Chefin Brigitte von Welser. Foto: Stefan Prager

Über 30 Bands, vier Bühnen und freier Eintritt – am heutigen Samstag steigt das Klangfest. Gasteig-Chefin Brigitte von Welser über die fällige Sanierung des Hauses und ihre Zukunft

 

Das 5. Klangfest im Gasteig wird wohl am Samstag wieder mehr als 10.000 Besucher anziehen. Organisiert vom Produzenten-Verband werden sich von 13 bis 24 Uhr 32 regionale Bands und Musikfirmen aller Stilrichtungen bei freiem Eintritt in den Sälen, Foyers und auf einer Open-Air-Bühne präsentieren. Gastgeberin des bunten Festivals ist Gasteig-Geschäftsführerin Brigitte von Welser.

AZ: Frau von Welser, der Gasteig ist ein internationales Kulturzentrum, das Klangfest ein regionales Musik- und Bürgerfest. Wie geht das zusammen?
BRIGITTE VON WELSER: Das Klangfest ist zweifellos eines der räumlich größten Ereignisse, die wir im Gasteig haben. Dabei kommt fast alles zum Einsatz, was an Räumen und Technik verfügbar ist, und das Haus wird in seiner ganzen Vielfalt erlebbar. So umfassend ist das nur bei der Langen Nacht der Musik oder bei „Der Gasteig brummt“ – und wir haben immer große Erfolge damit.

Eine Image-Chance für den Gasteig?
Natürlich! Wir haben mittlerweile einige feste Posten im Terminkalender, bei denen sich das Haus bewusst für alle öffnet – es freut uns sehr, dass nun schon seit fünf Jahren das Klangfest dazukommt. Ein tolles Format, das die Münchner Szene auch überregional weiterbringt. Ein Beweis, dass so etwas wie der Gasteig in einer Metropole nicht fehlen darf.

Nun war das Klangfest von Anfang an so gut besucht, dass kaum Platz für noch mehr Besucher frei gewesen wäre. Gibt es noch Entwicklungsmöglichkeiten?
Das Klangfest hat genau die richtige Größe. Einerseits gibt es Fachaustausch, einen Treff für die Profis, andererseits ist Raum für Flaneure und Neugierige. Das greift gut ineinander.

Die Vermietung der Säle und Foyers ist eine der Hauptaufgaben der Gasteig GmbH.
Schon vor Jahren haben wir uns zum Ziel gesetzt, etwas zu unternehmen, um den Bürgern die Scheu vor dem Gasteig zu nehmen. Mancher hat vielleicht etwas zu viel Respekt vor diesen hohen Mauern. Vor allem die Jüngeren sagen: Die Veranstaltungen in diesem Kasten sind doch sicher nichts für uns. Deshalb planen wir bewusst Imageveranstaltungen.

Und die Botschaft ist?
Es gibt hier etwas für alle. Selbst für die, die sich nicht gleich eine Eintrittskarte kaufen wollen. Diese Saat ist, denke ich, aufgegangen in den letzten Jahren. Sie haben zum Amtsantritt erklärt, der Gasteig müsse ein echter Knotenpunkt in der Stadt sein und haben Ihre Arbeit danach ausgerichtet.

Befürchten Sie, die Debatte um einen neuen Konzertsaal macht Ihre Ergebnisse kaputt?
Kaputt nicht, aber lästig ist die oft sehr emotional und auch aggressiv geführte Debatte schon. Unsere Inhalte und Angebote bleiben ja verlässlich und konstant, gerade was die Philharmonie angeht. Zwar ist dort schon durch die Präsenz unserer Münchner Philharmoniker der Klassikanteil sehr hoch, aber wir hatten schon auch immer eine Mischung mit Jazz und „gehobener U- Musik“. Sicher sind wir kein Haus für Heavy Metal, das muss jetzt auch nicht unbedingt sein.

Die Münchner haben lange ums Olympiastadion gestritten, und schließlich kam man um eine neue Arena nicht herum. Ist der Gasteig das Olympiastadion der Musikkultur?
Ich will jetzt nicht pessimistisch sein, auch mit Rücksicht auf die Kollegen im Olympiapark. Die haben es schwer, nach dem Auszug des Fußballs neue Formate zu finden, die für die Stadion-Dimension überhaupt geeignet sind. Da tun wir uns leichter: Wenn es einen zweiten Konzertsaal gibt, dann spielen eben die einen dort und die anderen hier, und der Rest muss so klug wie möglich aufgeteilt werden. Trotzdem ist für uns ganz klar, dass auch in der Philharmonie der Fokus auf einer guten Akustik liegen muss.

Hätten Sie ein Problem mit der Auslastung, wenn es einen neuen Konzertsaal gäbe?
Nein, gar nicht. Der Konzertveranstalter Schessl hat vor Kurzem in dieser Zeitung gesagt, zwei Säle würden sich sehr sinnvoll ergänzen, wenn der neue Saal mit 1800 Plätzen etwas kleiner wäre. Denn für bestimmte Produktionen braucht er auch in Zukunft die Größe der Philharmonie mit mehr als 2300 Plätzen.

Sie plädieren schon lange für eine umfassende Sanierung des Gasteig. Was würde das fürs Klangfest bedeuten?
Wenn wir die fällige Sanierung und dazu die notwendige Modernisierung umsetzen, wird es sich kaum vermeiden lassen, das Haus für bis zu anderthalb Jahre komplett zu schließen. Dann wird hier weder ein Klangfest noch ein Konzert der Philharmoniker stattfinden. Für Veranstaltungen in kleineren Sälen können wir für Ersatz sorgen. Aber für die richtig wuchtigen Veranstaltungen wird es schwierig, einen anderen Ort zu finden. Da wird das Münchner Kulturleben für eine Weile auf einige Angebote verzichten müssen.

Sie feierten vor Kurzem Ihren 65. Geburtstag und könnten im Gegensatz zu unserem Ex-Oberbürgermeister weitermachen. Die Stadt hat Helmut Friedel sein Lenbachhaus zu Ende sanieren lassen. Ein Modell für Sie?
Das würde für mich doch etwas sehr weit in die Zukunft gehen. Ich hoffe, dass ich noch ein paar Weichen für die Zukunft mitstellen kann, dass sehr bald die Entscheidung für die Modernisierung so fällt, wie wir sie jahrelang vorbereitet haben. Das ist mein größter Wunsch.

Gasteig, Samstag, 7. Juni 2014, 13 bis 24 Uhr

 

0 Kommentare