Kino: "Verblendung" Schwedisch für Fortgeschrittene

David Finchers „Verblendung” ist eher konventionell als sensationell

 

Jede gute Literaturverfilmung überlagert die Bilder, mit der sich der Leser sein Kopfkino selbst gestaltet hat. Was aber macht ein Remake? Zerstört es die Bilder und Eindrücke der Originalverfilmung? Wochen nach der Pressevorführung von David Finchers Hollywood-Adaption von Stieg Larssons „Verblendung” stellen wir fest: Noomi Rapace und Mikael Nyqvist sind als Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist in der schwedisch-deutschen Verfilmung (2009) quicklebendig und haben den 100 Millionen Dollar teuren Angriff durch ihre „Nachfolger” Rooney Mara und Daniel Craig nahezu unversehrt überstanden.

Schließlich war es nicht die Aufgabe von David Fincher, Larssons Welterfolg für die Zweitseher in eine andere Dimension des Schreckens zu führen, sondern jene amerikanischen Zuschauer zu erobern, die keine Lust auf die synchronisierte (oder untertitelte) europäische Fassung hatten. Zehn Milionen Dollar spielte das Original an den US-Kinokassen damals ein, Finchers Version bislang das Achtfache – er nähert sich also der Planerfüllung und dem grünen Licht für Teil 2 und 3.

Seine mit zehnfachem Budget ausgestattete Zweitverfilmung folgt überraschend treu der Originalversion, schwelgt in grandiosen Bildern und kämpft vor allem in der ersten der gut zweieinhalb Kinostunden mit der langsamen Entwicklung der Geschichte, die als Wirtschaftsthriller startet und dann eine ganz andere Richtung nimmt. Rooney Maras ist eine etwas zartere und zugänglichere Lisbeth, die nach der ersten gemeinsamen Nacht mit Blomkvist eine Art von Verliebtheit zulässt. Noomi Rapace verbarg damals jedes Gefühl überzeugend unter schroffster Fassade.

Aber auch mit leichten Glättungen der Charaktere und Sexszenen bleibt Finchers Film ein beklemmend dichter Thriller. Glücklich der Zuschauer, der sich ohne Vorbilder erst jetzt in Larssons Schreckenswelt begibt.

Kino: Cinema (OV), CinemaxX, Eldorado (OmU), Leopold, Mathäser, Museum (OV), Neues Gabriel, Royal
R: David Fincher (USA, 158 Min.)

 

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