Kino / Neustarts: "Prometheus - Dunkle Zeichen" Was durch den Kopf geht

Logan Marshall-Green als Holloway (v.l.), Noomi Rapace als Elizabeth und Michael Fassbender begeben sich in "Prometheus - Dunkle Zeichen" in Lebensgefahr. Foto: Fox

Ridley Scott bereitet in „Prometheus – Dunkle Zeichen” seinen Alien-Stoff neu auf – und spielt mit der Idee von Schöpfung und Zerstörung

 

Das Kino nistet sich in die Köpfe ein, seine Bilder können das Gehirn infizieren wie ein Virus, der sich dann breit macht, sich immer weiter ausdehnt. Auf einer Raumstation zieht der Android David seine alltägliche Routine durch, ernährt sich, hält sich fit, schaut sich eine Szene von „Lawrence von Arabien” an, jenem Epos von David Lean über den britischen Offizier, der im Ersten Weltkrieg zu den Beduinen kam, zum Anführer aufstieg, in seiner Distinguiertheit und Arroganz aber ein Fremder zwischen den Welten blieb.

David zitiert Sätze von Lawrence, imitiert den Akzent, die Gesten von dessen Darsteller, Peter O’Toole. Diese feingliedrige Ruhe, die blonden Haare. Michael Fassbender spielt den Androiden, es ist eine unheimliche Performance: Welche Leere in ihm herrscht, und doch arbeitet ein Plan in Davids Schaltkreisen, was ihn tückisch erscheinen lässt. Und ist sein Lawrence-Tick ein Fehler im System oder gehört er zum System dazu? Träumen Androiden vom Menschsein oder etwa doch vom Kino?

In Ridley Scotts Kopf spukt die Idee einer Wiederbelebung des Alien-Stoffes schon seit Jahren herum. Wie im Traum vermengen sich nun in „Prometheus” Elemente der alten Saga mit einer neuen, die in Fortsetzungen noch erzählt werden will. Eine Forschergruppe möchte den Ursprung der Menschheit erkunden, das Ineinanderfließen von Schöpfen und Sterben zeigt sich schon in der Eingangssequenz, in der einer der als „Ingenieure” bezeichneten Außerirdischen sich selbst an einem Wasserfall opfert. Das Schaffen und Zerstören, es ist auch das Prinzip des Blockbusterkinos, das sich mittlerweile auf das Wiedergebähren, auf das Rebooten bekannter Geschichten – in 3D – kapriziert.

Die Expedition führt das Team um Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) auf einen Planeten, dessen Erkundung genreüblich in eine Begegnung der dritten Art mündet. Eine schwarze Substanz, wurmartige Wesen zwischen Schwanz und bissiger Vagina – für manche endet der Kontakt direkt tödlich. Holloway wird infiziert und muss mit der sich beschleunigenden Veränderung fertig werden. Scott versteht sich immer noch im Kino der Angst, und er hat wohl selbst Angst vor der Ironie, die jeglichen Ernst wie ein Virus durchsetzen könnte. Der Horror der Schwangerschaft, das Ding im Bauch, das nicht nur raus will, sondern raus soll – dafür findet Scott wieder einen sehr beklemmenden Moment.

Mit den Körpern seiner Figuren geht der Film ziemlich brachial um, Noomi Rapace aus „Verblendung” ist dabei auch hier diejenige mit der größten Willenskraft. Selbst David bekommt die nüchterne Gewalt der Ingenieure zu spüren, und er kann doch weiter existieren, weil er ein schlaues Köpfchen ist.

Kino: Cinema und Museum Lichtspiele (OV), CinemaxX, Leopold, Mathäser, Neues Gabriel, Royal
R: Ridley Scott (USA, 124 Min.)

 

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