Kino Mit "Le Havre" feiert Aki Kaurismäki ein Comeback

LE HAVRE: Gute Spürnase: Jean-Pierre Darroussin (rechts) legt den „Le Havre“- Kommissar als französische Version von Inspector Columbo an. Foto: Pandora Filmverleih

Adieu Tristesse! Aki Kaurismäki erzählt in „Le Havre” eine sehr menschliche Geschichte

 

8Warum können Kinder (und Erwachsene) ein Musikstück hundertmal hören, einen Film zehnmal sehen und er nutzt sich nicht ab? Psychologen erklären das mit einer Art Wiedererkennungs-Schleife im Gehirn, die das Wohlbefinden des „Ersten Mals” immer wieder als Muster abruft. Und so müssen auch Kunst-Gurus letztlich dem Publikum das Erwartete bieten, um weiter geliebt zu werden.

Die wirklich großen Künstler schaffen dabei die Quadratur des Kreises: im wiederkehrenden Alten das Neue zu schaffen! Der Finne Aki Kaurismäki ist so ein Meister.
Wenn jetzt „Le Havre” ins Kino kommt, kann man all den Kaurismäki-Zauber wiederfinden: die Straßen und Räume, die immer auch ärmlich wirken, dabei aber in einem traumhaften Licht erscheinen. Sie wirken wie aus der Zeit gefallen und sind doch farblich wie in die 50er getaucht, auch wenn die Geschichten immer klar in der Gegenwart spielen. Ohne jeglichen Neon-Einfluss herrschen braun-grüne Töne vor, in die klare Farbakzente gesetzt sind, wie das Gelb und Rot von Jukeboxes oder Trichter-Lampenschirmen. Das alles entrückt die Erzählungen von Einsamkeit, Alkoholismus, Absturz im Milieu des „kleinen”, aber echten Mannes oft ins traurig allgemein gültig Märchenhafte.

Aber in „Le Havre”, der Stadt, die durch ihre Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ihrer Geschichte beraubt wurde und die dadurch ebenfalls zeitlos wirkt in den kleinen Hafenhäusern, wagt Kaurismäki Neues: „Je zynischer und skeptischer ich über die Welt und das Leben werde, desto sanfter werden meine Filme”, gesteht er zu. Und so ist „Le Havre” zwar die Geschichte illegaler Einwanderer (hier in Gestalt des schwarzen Jungen Blondin Miguel), die ein Leben im Schatten führen müssen (versteckt von einem Schuhputzer, André Wilms, und seiner Frau, Kati Outinen) und gesucht von der Polizei.

Aber Kaurismäki glaubt an die Humanität, an eine instinktive Solidarität gerade der Unterschicht im Angesicht von Gefahr und sozialem Absturz. Das gibt diesem Film Versöhnlichkeit und macht ihn wunderbar anzuschauen.

Kino: Atelier, Eldorado, Monopol, Münchner Freiheit, Theatiner (OmU)
R: Aki Kaurismäki (F, 93 Min.)

 

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