Kino Große Klappe, viel dahinter: Sido in "Blutzbrüdaz"

Sido und Bushido werden gerne in einen Topf geworfen. Während Bushido sich in „Zeiten ändern dich” blamierte, gelingt Sido mit „Blutzbrüdaz” ein beachtliches Filmdebüt

Grimmig blicken sie in die Kameras, diese halbstarken Kids, während sich die tristen Berliner Wohnblocks langsam als Drohkulisse hinter ihnen aufbauen. Schließlich schält sich ein junger bärtiger Mann aus der im lässigen HipHop-Look uniformierten Masse heraus und beginnt gestenreich loszurappen: „Meine Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein Zuhause, mein Hochhaus!”

Spätestens beim letzten Wort müsste jeden Kenner der deutschen Rapszene ein „Das ist doch alles nur geklaut!”-Schauer über den Rücken laufen. Und genauso geht es auch Otis (Sido) in „Blutzbrüdaz”, als er seinem ehemaligen besten Freund Eddy G (B-Tight) bei der Präsentation seines ersten Musikvideos im Fernsehen beobachtet.
In dieser kurzen Sequenz lässt sich die Essenz von Özgür Yildirims („Chiko”) Film zusammenfassen. Hier kennt sich ein Regisseur nicht nur exzellent mit der deutschen Rapszene aus, hier versteht einer auch etwas von Ironie.

Denn Sido wurde vor sieben Jahren mit genau diesem Titel - nur in abgeänderter „Mein Block”-Form - zum Aushängeschild der Berliner Aggro-Rap-Szene. Lange Zeit trat der heute 31-Jährige nur mit einer finsteren Totenkopfmaske auf und geizte in seinen Texten nicht mit hässlichen Schimpfwörtern. Aber Sido distanzierte sich immer mehr von seinem Belzebub-Image und würzte seine Songs mit schrägem Witz. Dass er mittlerweile genügend Abstand zu seiner Penäler-Rap-Vergangenheit gewonnen hat, verdeutlicht „Blutzbrüdaz”.

Hier ist es nicht Otis alias Sido, der zum gefeierten Hip Hop-Helden aufsteigt, sondern sein Kumpel Eddy alias B-Tight, dem im wahren Leben der Durchbruch immer verwehrt blieb. Die Lust am Rollentausch, am Spiel mit Klischees spiegelt auch der Film wider, dem man ansieht, dass er von einem Mann mit Gespür fürs Milieu wie Fatih Akin produziert wurde.

Ganz im Gegensatz zu Bushidos unfreiwillig komischem Filmdebüt „Zeiten ändern dich” steht nicht eine dramatische Aufsteiger-Geschichte im Vordergrund, zielt man nicht mit Gewalt auf ein Massenpublikum. Deswegen fehlen konsequenterweise auch die Promidarsteller in den Nebenrollen. Yildirim erzählt leichtfüßig und temporeich von zwei Freunden, die der Kommerz auseinanderbringt und von einer Zeit um 2000, in dem man noch mühsam „Tapes” produzierte, und sich auch ohne genügend D-Mark in der Tasche den Traum von Rap erfüllen wollte und konnte. Ein mutiger Film für und von Fans. Gut gemacht, Alter!

Kino: Cinemaxx, Mathäser
R: Özgür Yildirim
(D, 86 Min.)

 

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