Kino Das Böse im Kuschelbär und Barbies Emanzipation

Trau keinem netten Onkel: Lotso, der Kuschelbär, der nach Erdbeere riecht, lullt gerade Buzz ein. Foto: wds

„Toy Story3“ riskiert Abschiede, sogar Abgründe und gewinnt Zuschauer jeden Alters.

 

Endlich Schluss mit Blondinen-Witzen? In „Toy Story 3“ erleben wir die Super-Klischee-Blondine Barbie, vor der seit Generationen Kinderpsychologen vergeblich warnen, nicht als eindimensionales Dummchen. Und endlich befreit sie Dauer-Lover Ken vom Testosteron-Wahn, indem sie vor seinen Augen seine sämtlichen grässlich-bunten Angeber-Klamotten zerreißt.

Überhaupt ist – neben diesem rabiaten Aushandeln neuer Geschlechterrollen – der Disney-Pixar-Film vielschichtig durchpsychologisiert. So wenn Andys Mutter sich von ihrem Sohn abnabeln muss, der jetzt aufs College geht. Und der wiederum damit Abschied nimmt von der Kindheit, also auch von seinen Spielsachen – unseren Helden der vorherigen „Toy Story“- Abenteuer (s. a. Kino-Stadt).

Durch ein Missverständnis geraten Spielzeug-Astronaut Buzz und seine Freunde in einem Müllsack auf den Speicher. Sie fühlen sich plötzlich wertlos, verlieren den Lebensmut. Nur Cowboy Woody glaubt nicht an den Verrat. Aber auch er muss erkennen, dass die Fantasie-Spielzeug-Zeit ihres Menschen-Freundes vorbei ist. Aber man kann Spielsachen ja weitergeben, auch für ein Happy-End.

„Toy-Story 3“ ist so ebenso eine Geschichte vom Loslassen-Können geworden, dabei aber auch Action-Abenteuer – gipfelnd in einem Show-Down auf einem Müllförderband zum Verbrennungsofen – selbst KZ-Anspielungen sind nicht zu übersehen.

Eine Zwischenstation der abgelegten Spielzeughelden ist ein Kinderhort, wo sie viel zu jungen, rabiaten Kindern untergejubelt werden. Sie wollen fliehen, aber in dieser Orwell-Welt herrscht ein rosaroter Kuschelbär mit Erdbeer-Geruch. Nur dass der scheinbar gemütliche Balu-Onkel Lotso sich als diabolischer Diktator herausstellt. Doch auch hier verlässt der Film das einfache Gut-Böse-Schema, denn Lotso ist als liebendes Stofftier verlassen worden und so erst zum Zyniker geworden. Bei soviel tragischem Tiefgang mag man kaum noch an einen Familienfilm glauben. Aber das stimmt nicht. Denn natürlich bleibt auch „Toy Stroy 3“ vor allem ein spannender Spaß – egal, ob in 2 oder 3D.

Adrian Prechtel

sowie Cinema (OV)

R: Lee Unkrich B: Michael Arndt, John Lasseter (100 Min.)

 

0 Kommentare