Kino: Berlinale Gaius Julius Gangster

Gute Entscheidung: Die Berlinale-Jury ehrt „Caesar Must Die” mit dem Goldenen Bären

 

Wie bedröppelt stehen sie da, die römischen Theater-Krieger, während der Applaus auf sie niederprasselt. Nach einem bemühten Verbeugungsversuch jubeln die stattlichen Herren aber wie kleine Kinder und ziehen grölend ihre Plastik-Schwerter. Doch das Spektakel dauert nur kurz. Wachen geleiten die Laiendarsteller bald wieder mit Nachdruck in ihre Zellen und die Zuschauer strömen in die Freiheit.

Starke Bilder finden die Brüder Taviani für ihren Shakespeare-mit-Gefangenen-Film „Caesar Must Die”. Das künstlerische Engagement der mitwirkenden Mafiosi begeisterte nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Berlinale-Jury um den Briten Mike Leigh. Am Ende sprang für die kauzigen italienischen Regielegenden der Goldene Bär heraus. Wann die Zuschauer in Deutschland diese innovative und unterhaltsame Ode an die Kraft der Sprache von „Julius Cäsar” zu sehen bekommen, steht leider nicht fest.

Noch kurz vor der Berlinale-Preisverleihung waren sich Kritiker uneins, wer von den 18 Wettbewerbsbeiträgen wirklich den Bären abgeschossen hatte. Einig war man sich aber darüber, dass Festivalleiter Dieter Kosslick ein politisch ambitioniertes, unpopuläres Programm zusammengestellt hatte, in dem es wenige echte Höhepunkte gab. Dieses Fazit spiegelt auch der Preis der Jury an „Just The Wind” wider. Die auf wahren Ereignissen beruhende Auseinandersetzung mit der Gewalt gegen die Roma in Ungarn ist bedrückend, brisant, aber schwer zugänglich und spröde erzählt.

Eine kühle Strenge bescheinigte man auch immer Christian Petzolds Arbeiten. Mit „Barbara”, dem packenden, glänzend besetzten Drama über eine Ärztin, die aus der DDR flüchten will, beweist der Vertreter der Berliner Schule aber das Gegenteil. „Ein Hammer” fand Petzold den Regiepreis und hammerhart ist auch, was die 15-jährige Laien-Schauspielerin Rachel Mwanza in dem Kindersoldaten-Drama „Rebelle” durchmachen muss. Sie bekam den silbernen Bären ebenso zu Recht wie Mikkel Boe Folsgaard als Kindskopf-König in „Die Königin und der Leibarzt”.

Mike Leigh hat in seinen „harmonisch abgelaufenen” Bären-Entscheidungen sein Faible für Sozial-Dramen bewiesen - und damit indirekt seinen eigenen Filmstil ausgezeichnet. Aber über einen guten Geschmack sollte man nicht streiten. 

 

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