Kimi Räikkönen Formel 1 statt Baby

Der Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen ordnet seinen Kinderwunsch der Karriere unter: „Falscher Zeitpunkt“.

 

Im funkelnden Yachthafen von Monte Carlo spürt Kimi Räikkönen seine Hassliebe zur Formel 1 besonders intensiv. Für atemberaubende Fahrgefühle wie in den wahnwitzig engen Häuserschluchten von Monaco ist der Finne, 2007 mit Ferrari Weltmeister, nach zwei Jahren in der Rallye-Weltmeisterschaft in die Königsklasse des Motorsports zurückgekehrt.
Die glitzernde Scheinwelt drumherum kann Räikkönen aber weiterhin gestohlen bleiben. Bling-Bling gehört ebenso wenig zu seinem Weltbild wie unnütz Zeit für Plaudereien zu verschwenden. Dies ist auch der Grund, wieso dem mittlerweile 32-Jährigen einst der Beiname „Ice-Man“ verpasst wurde.
Der passt noch immer, auch wenn Räikkönen insgesamt etwas offener und toleranter geworden scheint. In Monte Carlo sprach er nun vor dem Rennen am Sonntag (14 Uhr, RTL und Sky live) sogar für seine Verhältnisse außergewöhnlich offen und lange über Privates – und überraschte mit der Aussage, gerne Kinder zu haben. „Ich möchte gern Vater werden. Aber im Moment ist es nicht der richtige Zeitpunkt, so lange ich Rennen fahre“, sagte er "die Formel 1 ist nicht der richtige Platz für eine Familie“. Seit acht Jahren ist Räikkönen, der mittlerweile für Lotus an den Start geht, mit dem finnischen Model Jenni Dahlman verheiratet. Zu den Rennen begleitet sie ihn, anders als früher, nur noch selten. „Sie langweilt sich doch zu sehr die meiste Zeit hier. Ich muss arbeiten und einfach nur hübsch in der Gegend herumzustehen, das ist nicht ihr Ding“, sagt Räikkönen.
Sein neuer Arbeitgeber Lotus hat sich erst nach reiflicher Überlegung auf das Abenteuer Räikkönen eingelassen. „Wir hatten schon Kopfschmerzen dabei. Nach längerer Diskussion haben wir uns entschlossen, das Risiko einzugehen“, bekannte Teamchef Eric Boullier jüngst. „Kimi ist wie ein wildes Tier. Man muss ihn den Weg gehen lassen, den er gehen will“, fügte der Franzose hinzu.
Deshalb gewährt Lotus seinem Star außergewöhnliche Freiheiten. Räikkönens PR-Verpflichtungen wurden auf ein Minimum reduziert, die dröge Arbeit im Simulator muss Teamkollege Romain Grosjean verrichten. „Hier kann ich mein Ding machen, ein normales Leben führen wie andere Menschen auch“, versicherte Räikkönen. „Aus jetziger Sicht bin ich genau am richtigen Ort.“ Auch dank des Wohlfühl-Klimas ist Räikkönen ohne großen Anlauf schnell auf Touren gekommen. Schon im vierten Rennen nach seiner Rückkehr stand er in Bahrain als Zweiter wieder auf dem Podium, danach in Barcelona gelang ihm dies als Dritter erneut. Räikkönen lassen solche Statistiken kalt. „Ich arbeite nicht anders als vorher. Manchmal mit mehr Erfolg, manchmal eben mit weniger“, sagte er lapidar.
Dieser kompromisslose Stil macht ihn bei den Fans so beliebt und in der WM wieder zum Titelanwärter. „Wenn wir so weitermachen, könnten wir eine Chance haben“, sagt er. Und vielleicht hat er auch deswegen für den Moment seinen Frieden mit dem überdrehten Formel-1-Kosmos gemacht. „Ich bin glücklich, wo ich bin.“

 

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