Kidnapping-Drama Drei entführte Frauen nach 10 Jahren befreit

Ohne dass Nachbarn etwas bemerken, halten drei Brüder drei junge Frauen jahrelang gefangen.Das mutmaßliche Entführer-Trio ist nun in Haft. Foto: dpa

Unglaublicher Fall im amerikanischen Cleveland: Ohne dass Nachbarn etwas bemerken, halten drei Brüder drei junge Frauen jahrelang gefangen.

Cleveland - Amanda Berry muss gespürt haben, dass es ihre einzige Chance war. Wie verrückt schlug sie auf die Tür ein, die zehn Jahre lang zwischen ihr und der Freiheit stand. Nachbar Charles Ramsey hörte die Schläge und half, die Tür aufzubrechen. „Ich bin entführt worden und werde seit zehn Jahren vermisst. Und ich bin hier. Ich bin jetzt frei“, sagte Berry, als sie mit einem geborgten Handy die Polizei alarmierte. Dann das Unfassbare: „Da gibt es noch mehr Mädchen im Haus“, teilte sie dem Notruf mit. Eines davon ist Amanda Berrys Tochter.

 

Es ist ein Kidnapping, das an Fälle wie den von Natascha Kampusch erinnert. Unbemerkt von den Nachbarn wurden Amanda Berry, Gina DeJesus und Michele Knight mitten in der US-Stadt Cleveland über Jahre von drei Brüdern im Alter von 50, 52 und 54 Jahren gefangen gehalten. In einem ganz gewöhnlichen Haus, mitten in einer Wohngegend. Niemand bekam etwas mit. Selbst Nachbar Charles Ramsey nicht. Der grillte ab und zu mit einem der Entführer im Garten.

Amanda Berrys Martyrium begann vor zehn Jahren. Einen Tag vor ihrem 17. Geburtstag verschwindet sie spurlos. Jemand wolle sie nach ihrer Arbeit bei „Burger King“ nach Hause bringen, sagte sie ihrer Schwester in einem letzten Telefonat. Die damals 14-jährige Gina DeJesus wurde seit dem Jahr 2004 vermisst. Nach der Schule tauchte sie nicht zu Hause auf. Bereits seit 2002 war Michele Knight (heute 32) wie vom Erdboden verschwunden. Bis jetzt.

Das mutmaßliche Entführer-Trio ist in Haft. Ständig im Haus lebte offenbar nur einer der drei Brüder. Die anderen gingen dort aber öfter ein und aus. Der 52-jährige Hausbesitzer ist ein ehemaliger Schulbusfahrer. Ob er sich seine Opfer auch während seines Jobs ausgesucht hat, ist noch nicht geklärt. Im Haus fanden die Polizeibeamten auch die kleine Tochter von Amanda Berry. Ob sie von einem der Entführer gezeugt wurde, kann die Polizei noch nicht sagen. Klar ist aber, dass der Hausbesitzer schon einmal wegen häuslicher Gewalt verhaftet, aber nicht verurteilt wurde. Anwohner beschreiben ihn jedoch als freundlich und unauffällig.

Nach der Befreiung der Frauen versammelten sich Hunderte in der Wohnstraße. Jubel brach aus. Die Stadt feierte, dass die drei vermissten Frauen am Leben sind. Ähnliche Szenen vor dem Krankenhaus, in das die drei Gekidnappten nach der Befreiung gebracht wurden. Als Arzt Gerald Maloney vor der Klinik Reportern erzählt, dass es den Frauen erstaunlich gut gehe, rief ein Schaulustiger „We love you, Amanda!“. Riesen-Jubel. „Ich will nur, dass sie da aus der Tür kommt und ich sie umarmen kann“, sagt Kayla Rogers – eine Kinderfreundin von Gina DeJesus. „Ich bin dankbar, dass diese drei jungen Frauen gefunden wurden und am Leben sind“, freute sich Bürgermeister Franck Jackson.

An der Polizei gibt es aber Kritik – von der Mutter von Michelle Knight. Sie habe jahrelang alleine nach ihrer Tochter gesucht, erzählt sie Reportern. Ihr Vorwurf: Die Polizei habe nicht an eine Entführung geglaubt und den Fall wie ein Weglaufen gewertet. Barbara Knight erfuhr von der jetzigen Befreiung ihrer Tochter zudem nur aus den Medien. Von der Polizei kam kein Anruf. „Ich hoffe, dass es überhaupt sie ist“, so die Mutter. Die Polizei hat zur Kritik noch nicht Stellung genommen.

Heldin Amanda Berry dagegen wird ihre Mutter nicht mehr sehen können. Sie starb im März 2006. Das Verschwinden ihrer Tochter hatte ihr das Herz gebrochen.

 

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