Kickbox-Weltmeister im AZ-Interview Michael Smolik: "Ich hatte meine innere Mitte verloren"

"Jetzt fühle ich mich besser denn je", sagt Michael Smolik, der zuletzt mit privaten Rückschlägen zu kämpfen hatte. Foto: ho

Kickbox-Weltmeister Michael Smolik spricht in der AZ über sein Rematch mit Enver Slivjar, warum er in ein Loch gefallen ist und über Meditation.

 

München - Kickbox-Weltmeister Michael Smolik (27) steigt am Samstag (22.58 Uhr, Sat.1) zum Rematch mit dem Schweizer Enver Slivjar in den Ring.

AZ: Herr Smolik, am Samstag kommt es zum Rematch gegen Enver Slivjar, den Sie im ersten Kampf nur knapp besiegen konnten. Sie haben gesagt, dass man jetzt den neuen, alten Smolik sehen würde. Das heißt im Umkehrschluss, dass Sie im ersten Kampf nicht Sie selber waren.
MICHAEL SMOLIK: In der letzten Vorbereitung gab es sehr viele Dinge, die für mich persönlich sehr anstrengend waren, die mir Kraft geraubt haben. Ich war sehr kopfschwach. Ich war im letzten Kampf mein eigener größter Feind. Ich habe eigentlich nicht so sehr gegen Enver gekämpft, sondern vor allem gegen mich selber. Eigentlich bin ich ein sehr kopfstarker Kämpfer, aber das war in dem Fight eben nicht so.

Das klingt sehr kryptisch.
Ich hatte sehr viel private Sachen. Mein Körper, wenn man den angeschaut hat, der war richtig schwammig, ich sah aus, als hätte ich nicht trainiert. Das stimmt zwar nicht, aber es hat im Kopf nicht gepasst. Ich habe jetzt wieder sehr viel Mentaltraining eingebaut, sehr viel Explosivkrafttraining eingebaut, was ich früher sehr viel gemacht, dann aber weggelassen hatte. Und jetzt fühle ich mich besser denn je.

Michael Smolik: "Ich werde jetzt wieder zeigen, dass es besser geht"

Wie muss man sich so ein Mentaltraining vorstellen?
Ich visualisiere sehr viel im Kopf, ich meditiere viel. Zum einen nutze ich Meditation, um runterzukommen, zum anderen aber auch zur Visualisierung, um mir Enver, den Kampf, spezielle Situationen vorzustellen und dadurch sehr gut vorbeireitet zu sein. Das bringt mir sehr viel. Ich habe damit angefangen, als ich 2014 Profi geworden bin. Ich habe es beim letzten Kampf schleifen lassen. Wenn man ehrlich ist, habe ich es gar nicht mehr gemacht. Es hat mir gefehlt. Gerade, wenn man private Probleme hat, vielleicht nicht so hundert Prozent bei der Sache sein kann, wie man sollte, ist dieser Aspekt extrem wichtig.

Sie hatten also Ihre innere Mitte verloren?
Ganz genau so muss man es sehen, ich hatte meine innere Mitte verloren und dadurch mich selbst. Ich war nicht der Michael Smolik, der sonst im Ring steht, und ich werde jetzt wieder zeigen, dass es anders geht, dass es besser geht.

Wie wichtig ist dieser Rückkampf, in dem Sie etwas gut machen wollen, für Sie?
Extrem wichtig. Denn der letzte Kampf war für mich selber eine Niederlage. Ich habe ihn punktetechnisch gewonnen, aber wegen meiner Leistung, meiner Form war ich extrem unzufrieden mit mir. Ich war so enttäuscht von mir. Ich brauchte danach Abstand, ich wollte zwei Wochen niemanden sehen, weil ich eben von mit selber so enttäuscht war. Ich habe mir dann gesagt: Das darf nie wieder passieren und ich kann versprechen, es wird nie wieder passieren. Solche Rückschläge gehören dazu, aber man muss daraus lernen. Das habe ich getan.


"Er sah im letzten Kampf besser aus, als er meiner Meinung nach ist", sagt Smolik über seinen Gegner Enver Slivjar (r.). Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Wie schätzen Sie Ihren Gegner jetzt ein, nachdem er Ihnen das Leben im ersten Fight schwer gemacht hat?
Ich habe Respekt vor Enver. Aber ich weiß, dass ich es besser machen kann. Er sah im letzten Kampf besser aus, als er meiner Meinung nach ist – das werde ich allen am Samstag auch zeigen und beweisen.

Wie gehen Sie mit der ganzen Kritik, die auf Sie einschlägt, um? Sie sind ja auch einer, der bewusst provoziert.
Ich spalte. Es gibt einige, die hassen mich, einige, die lieben mich. Am Anfang versteht man nicht, warum einen Menschen hassen, man will ja nur sein Bestes geben. Aber man lernt mit der Zeit, da drüber zu stehen. Man lernt damit zu spielen und zu provozieren, was ich – wie Sie richtig gesagt haben – auch mache. Die Leute sollen über einen reden, sie sollen mich ruhig hassen. Das ist kein Problem.

Michael Smolik: "Ich bin ein Mensch, der kämpft gegen jeden"

Gerade in den Momenten, in denen man vielleicht seine innere Mitte verloren hat, wird man all das nicht so leicht abperlen lassen können, oder?
lar, die Hater kamen nach meinem letzten, schwachen Kampf aus den Löchern gekrochen. Sobald einer kommt, kommen natürlich gleich zehn, so ist das in der heutigen Zeit. Nach so einem Kampf, wenn einen alle hassen, nur weil man einmal seine Leistung nicht gebracht hat, fällt man schon in ein Loch. Das war hart. Da ich in dem Moment nicht kopfstark war, war ich noch angreifbarer. Mein Trainer Mladen Steko, meine Freunde und vor allem meine Freundin haben mich aus diesem Loch geholt und ich habe die Stärke wieder in mir gefunden. Für die Hilfe bin ich auch sehr dankbar.

Es gab besonders viel Kritik, dass Sie im Ring nicht die Aufforderung zum Rematch angenommen haben, sondern sagten, das entscheidet mein Management.
Ich war mit mir selber fertig, konnte mich im Kopf gar nicht sortieren. In dem Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Im Nachhinein: Ich bin ein Mensch, der kämpft gegen jeden. Ich hätte es gleich annehmen sollen, aber ich wollte in dem Moment nur raus, weg.

Auf Ihrem Arm prangt jetzt ein neues Tattoo.
a, es ist eine Uhr, die steht auf einer Minute vor meiner Geburtsminute. Einfach, weil ich immer einen Schritt voraus bin, einen Schritt voraus denke. Gerade auch mit den Provokationen. Viele Leute meinen, dass ich doof bin. Aber in Wirklichkeit denke ich mir ja was dabei, eigentlich bei allem, was ich mache. Eben auch bei den Provokationen.

Und die Uhr ist von Flammen umschlossen, so als seien Sie der Hölle entstiegen.
Ganz genau. Eine sehr richtige Interpretation!

 

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