Kaum Gäste kommen Seehofers Facebook-Party: Mega-Flop im P1

Der ganz große Ansturm blieb aus, einige nutzten das Medien-Interesse, um sich auf Seehofers Facebook-Party in Szene zu setzen. So war's im P1, die besten Bilder... Foto: dpa/dapd

Statt der erwarteten 2500 kommen zu Horst Seehofers Facebook-Party im P1 1000 Gäste - laut CSU. Andere schätzen die Zahl auf 500, inklusive 150 Journalisten.

 

München - Die CSU ist eine Volkspartei, keine Facebook-Partei. Das ist das Fazit von Horst Seehofers Party im P1, bei der Bayerns Ministerpräsident gestern weniger Fans aus dem sozialen Netzwerk als erwartet getroffen hat. Dafür durfte er Stefan Körner, Chef der bayerischen Piraten-Partei begrüßen – die beiden sind seit gestern Abend per Du. Statt der erwarteten 2500 Fans des Ministerpräsidenten, die ihr Kommen via Facebook angekündigt hatten, kamen nach CSU-Angaben bis zu 1000, nach anderen Schätzungen etwa 500 – inklusive 150 Journalisten.

Zuvor war befürchtet worden, dass die Party aus dem Ruder laufen könnte, weil mehr Gäste kommen wollten, als Platz in der Nobel-Disco gehabt hätten. Deswegen hatten Polizei und Partei Vorsichtsmaßnahmen getroffen: Damit die Prinzregentenstraße nicht blockiert wird, wurden außer Sichtweite viele Beamten zusammengezogen. In Sicherheitskreisen hieß es, die bayerische Polizei wolle sich nicht nachsagen lassen, dass sie eine Facebook-Party nicht im Griff habe.

Ordner kontrollierten die Gäste. CSU-Politiker und Journalisten erhielten einen Backstage-Pass, geladene Besucher ein Einlassbandl wie auf der Wiesn. FDP-Fraktionschef Thomas Hacker schreckten die Kontrollen ab: „Ich lasse mich nicht betatschen.“ Er ging woanders was trinken – und lästerte: „Das sind also die Volksmassen, die zu Seehofer drängen.“

Zu Seehofer drängte es Erwin Engelberger (59) und seine Ehefrau Anita Pottler (42): „Ich möchte ihn reden hören und Leute kennenlernen.“ Seine Kinder haben ihn zu Facebook gebracht, in der CSU ist er seit fünf Jahren. Dann kam Seehofer: Er schritt wie ein TV-Showmaster die weiß-blau beleuchtete Treppe vom Haus der Kunst hinab zum fast fan-freien P1-Eingang. Den zahlreichen Journalisten sagte er nur: „Das ist die Normalität“. Er freue sich, mit jungen Leuten zu reden. Der 62-Jährige brauchte für die Party nicht viel Vorbereitung: Seine Krawatte hat er in der nahen Staatskanzlei abgelegt und ein Zimmer in München gebucht. Immerhin sollte die Feier, zu der die CSU jedem Besucher ein Freigetränk spendierte, bis 3 Uhr in der Früh gehen.

Anbiedern will er sich nicht: „Bier aus der Flasche trinken, das mache ich nicht. Das hatten wir schon mal bei einem Kanzlerkandidaten“, erinnerte er an Gerhard „Hol mir mal ne Flasche Bier“ Schröder. Statt dessen griff er zum Energy-Drink. Nach dem ersten Schluck grüßte er Stefan Körner, Chef der bayerischen Piraten-Partei im P1. Er lobte die „witzige Idee“ Seehofers. Der bietet ihm das Du an – „weil man das in der Netzwelt so macht“. Jetzt sind nicht nur Aiwanger und Ude per Du, sondern auch der CSU-Chef und der Ober-Freibeuter. Außerdem hat Körner Seehofer einen Mitgliedsausweis mitgebracht. Der lud Körner zum Politischen Aschermittwoch der CSU ein – und alle Piraten draußen vor der Tür ins P1.

Aus dem Kabinett war nur Innenminister Joachim Herrmann da. Sozialministerin Christine Haderthauer hatte zuvor hohe Erwartungen an ihren Chef: „Ich bin nach seinem Tanzstil gefragt worden. Ich habe gesagt, er rockt ab.“ Im P1 wummerte der Song „Barbra Streisand“ von Duck Sauce durch die Boxen – mit „Horst Seehofer“ in der Titelzeile. Junge-Union-Chefin Katrin Albsteiger konnte der geringen Gästezahl was abgewinnen: „Besser so, als wenn man sich quetschen muss“, sagte die 28-Jährige. Berufs-Optimismus verbreitete auch Generalsekretär Dobrindt – trotz des Facebook-Flops: „Die Party ist allein deshalb erfolgreich, weil es enorm viel Interesse im Netz gegeben hat.“

Nicht nur im Netz – auch Münchens OB Christian Ude ließ sich telefonisch über die Party im P1 informieren und kommentierte sie aus der Ferne: „Alte Herrschaften meines Alters sind offensichtlich mit den Tagesabläufen junger Leute nicht so vertraut“, mokierte er sich über die für einen Club frühe Anfangszeit. „Das zeigt, wie wichtig es ist, sich bei der Jugend nicht anzubiedern.“

 

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