Kaufbeuren vs. München Senioren: Führerschein gegen Bus-Ticket

Die Münchner Grünen fordern, dass Senioren ihren Führerschein gegen Freikarten abgeben können. Foto: imago

Mit Kaufbeuren bietet nun eine Stadt ihren älteren Autofahrern dieses Tauschgeschäft an – warum passiert in München nichts?

 

München - Der Landkreis Unterallgäu hat’s vorgemacht: Dort können Senioren seit 1. Januar ihren Führerschein gegen ein Jahresticket für den öffentlichen Personennahverkehr eintauschen.

Nun zieht Kaufbeuren nach. Verzichten Ältere über 63 in der Allgäu-Stadt auf ihre Fahrerlaubnis und holen sich eine entsprechende Bestätigung in der Führerscheinstelle, gibt’s als Ersatz das Umwelt-Abo für Senioren der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal.

Seit Dienstag können die Senioren das Angebot nutzen, das kostenlose Jahresticket für den öffentlichen Kaufbeurer Nahverkehr erhalten sie ab 1. Mai. Das Abo ist für ein Jahr gültig und läuft jeweils ab dem Ersten eines Monats. Für die Senioren entstehen keine Kosten.

Sie brauchen nur das Schreiben der Führerscheinstelle, ein Passfoto sowie den Personalausweis ins Service-Zentrum der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal mitzubringen. Dort stellen die Mitarbeiter dann eine Chipkarte mit dem Umwelt-Abo aus.

"Zuckerl für diejenigen, die sich beim Fahren unsicher sind"

Die Idee Führerschein gegen Jahreskarte ist in München nicht neu. In der Stadt gibt es pro Jahr rund 4.000 Verkehrsunfälle, an denen Senioren beteiligt sind. Die Rathaus-Grünen haben auch ein Tauschgeschäft mit dem MVV ins Spiel gebracht, denn so lasse sich auch die Sicherheit im Verkehr erhöhen, argumentieren sie.

"Zwar sind ältere Mitbürger nicht öfter in Autounfälle verwickelt als andere Altersgruppen, tragen aber zu 75 Prozent die Schuld an den Unfällen, an denen sie beteiligt sind", heißt es in einem Antrag der Grünen. Im Sommer des vergangenen Jahres beschäftigte sich der Stadtrat damit – doch der Antrag wurde abgelehnt.

Zum Ärger von Grünen-Verkehrsexperte Paul Bickelbacher. Er bedauert, dass sein Antrag bei Seniorenverbänden und den übrigen Fraktionen auf so wenig Gegenliebe stieß. "Es sollte nur ein Angebot sein", sagt der Stadtrat der AZ, "ein Zuckerl für diejenigen, die sich beim Fahren unsicher sind."

Unterallgäu: Angebot hat "eingeschlagen wie eine Bombe"

Das sieht der Seniorenbeirat anders. Zum einen sei eine Jahreskarte als Anreiz keineswegs lukrativ, meint Ingeborg Staudenmeyer, Münchens höchste Seniorensprecherin. "Außerdem empfinden wir die Begründung des Antrags als absolut diskriminierend."

Das KVR verweist auf Probleme, die eine freiwillige Abgabe des Führerscheins mit sich brächten. Zum einen habe das keinerlei rechtliche Auswirkungen, da die Fahrerlaubnis unabhängig vom Besitz des Führerscheins vorliegt", wie ein KVR-Sprecher auf AZ-Anfrage mitteilt. Somit können Senioren später jederzeit wieder beantragen, dass ihnen die Fahrerlaubnis neu erteilt wird.

Und zum anderen hat das KVR Zweifel, dass ein Tauschangebot tatsächlich Senioren bewegt, nicht mehr selbst zu fahren. Vielmehr dürften nur diejenigen auf das Angebot eingehen, die "ohnehin kein eigenes Auto mehr besitzen".

Der KVR-Sprecher geht nur von wenigen Münchnern aus, die ihren Führerschein im Alter zurückgeben – obwohl laut einer Forsa-Umfrage ein Fünftel der befragten Senioren in Deutschland dazu bereit wären.

Im Landkreis Unterallgäu hat das Angebot "eingeschlagen wie eine Bombe", wie Rita Helms von der Führerscheinstelle der SZ sagt. So etwas hätte sich auch Grünen-Stadtrat Bickelbacher gewünscht. Er muss aber weiter auf den Tausch Führerschein gegen Fahrkarte verzichten – zumindest in München.

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