Katerina Jacob über Ottfried Fischer "Der Bulle von Tölz": So gut verstehen sich die Stars heute noch

Noch heute wird Katerina Jacob auf die Serie "Der Bulle von Tölz" angesprochen. Wie es ihr damit geht und ob sie noch Kontakt zu Ottfried Fischer hat, erzählt sie im Interview.

In ihrem neuen Buch "Alles nur Theater: Mein abgefahrenes Leben auf Tournee" (mvg Verlag, 200 Seiten, 17,99 Euro) erzählt Katerina Jacob (58) von all den absurden, komischen, schockierenden und außergewöhnlichen Dingen, die sie auf ihren Tourneen erlebt hat. Über das Schauspieler-Dasein berichtet sie auch im Interview mit spot on news - und auch, wie sie heute die Serie "Der Bulle von Tölz" sieht und ob sie noch mit Ottfried Fischer (62) Kontakt hat. Auf die deutsche Filmbranche ist die Schauspielerin, die in Kanada lebt, nicht gut zu sprechen.

Mit dem Filmgeschäft in Deutschland haben Sie definitiv abgeschlossen?

Katerina Jacob: Das kann man so sagen. Es müssten fünf Sachen stimmen, bevor ich wieder vor die Kamera trete. Erstens müssten es am Set wirklich Schauspieler sein, nicht nur Darsteller. Es müsste zudem ein großartiger Regisseur, ein super Drehbuch und eine tolle Rolle sein, aber nicht unbedingt eine Hauptrolle. Die Bezahlung muss natürlich auch stimmen. Und das passiert einfach nicht mehr. An einem Punkt scheitert es immer.

Sie haben in der Vergangenheit auch bemängelt, dass man in Deutschland mit ein paar Kilo mehr auf den Rippen schlechter an Rollen kommt. In Hollywood machen dagegen Frauen wie Melissa McCarthy groß Karriere. Glauben Sie, in Deutschland gibt es da bald ein Umdenken?

Jacob: Nein, überhaupt nicht. Eigentlich wird alles abgekupfert, was aus Amerika kommt. Aber in dieser Hinsicht schaffen sie das nicht. Es gibt einige wunderbare Schauspielerinnen wie Bette Midler oder Shelley Winters, die nicht schlank sind und es auch nie waren. Aber es sind ja nicht nur die Besetzungen. Wenn irgendjemand zu einem deutschen Redakteur gegangen wäre mit der Idee zu einer Serie, in der es um einen drogenabhängigen Arzt geht, der ein Super-Diagnostiker, aber ein Arschloch ist, hätte der in hochkant rausgeschmissen. "Dr. House" wäre in Deutschland nicht möglich gewesen. Dann wird die Serie ein großer Erfolg und in Deutschland wundert man sich, warum man nicht selbst draufgekommen ist...

Stört es Sie, dass Sie immer noch häufig auf "Der Bulle von Tölz" angesprochen werden?

Jacob: Nein, das war eine gute Serie. Die hatte was. Ich habe mir jetzt erst wieder ein paar alte Folgen angeschaut und muss sagen: Wir haben gute Arbeit abgeliefert, charmant gemacht, mit guten Schauspielern, intelligentem Humor und nicht zu brutal. Da kann man nur stolz darauf sein.

Gibt es auch etwas, was Sie bereuen?

Jacob: Ich habe so viele Seien gedreht... "Die Alpenklinik" hätte ich vielleicht auslassen können. Aber beim "Traumhotel" hätte ich den erleben wollen, der gesagt hätte, da will ich nicht hin... Es war wirklich super schön in dem mega Luxushotel Mandarin Oriental Chiang Mai. So eine traumhafte Kulisse nimmt man eben mit. Auch bei "Klinik unter Palmen" war es nett in Mexiko.

Haben Sie zu Ottfried Fischer noch Kontakt?

Jacob: Ja. Allerdings nicht täglich, es ist etwas schwierig mit ihm, man versteht ihn schlecht. Aber er schreibt im Moment Gedichte und die sind gar nicht schlecht. Er hat mir schon zwei, drei vorgelesen, die ich sehr mochte.

Ihre beiden Enkel sind auch schon im Filmgeschäft...

Jacob: Sie sind 10 und 5 Jahre alt und waren tatsächlich schon in Werbespots und Serien zu sehen, der Kleine sogar noch mehr als sein großer Bruder. Die Kinder machen das aber freiwillig und hier in Kanada ist das auch etwas anders. Die Kids bekommen auch für Castings Geld. Das sehen die Eltern aber nicht, es geht an einen Treuhandfonds, die Kinder bekommen es mit 18 oder 21 ausgezahlt. Die Eltern können sich nicht an der Arbeit ihrer Kinder bereichern.

Über Schauspieler gibt es einige Vorurteile, wie: Schauspieler sind alle reich und berühmt. Was sagen Sie dazu?

Jacob: Das ist natürlich ein Mythos. Es trifft auf 2 Prozent zu, die sind tatsächlich reich und berühmt. 80 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze. 18 Prozent geht es gut oder sie können zumindest davon leben.

Was sagen Sie zu Leuten, die meinen, dass Schauspieler kein richtiger Beruf sei?

Jacob: Das ist nicht richtig. Ein Schauspieler musste früher drei Jahre auf einer Schule ausgebildet werden, jetzt sind es sogar vier. Dann muss er eine Prüfung ablegen, erst dann darf er sich Schauspieler nennen und auf die Bühne gehen. Das wird durch das Fernsehen immer mehr in den Hintergrund gedrängt, für das man keine Ausbildung braucht. Und wenn diese Fernseh-Schauspieler nichts mehr zu tun haben, gehen sie auf die Bühne. Dafür werden sie engagiert, weil der Name zählt, wenn man durch die Provinz tingelt und dann wundern sich die Leute, dass die nicht sprechen können, weil sie es nie gelernt haben.

Und haben Schauspieler tatsächlich ein lockeres und unabhängiges Leben?

Jacob: Locker ist es, aber auch sehr stressig. Leute, die drei Monate auf Tournee waren und neun Monte nichts zu tun haben, müssen von diesen drei Monaten leben. Das ist schwierig. Und unabhängig? Wir haben eine Lohnsteuerkarte wie jeder andere auch und sind auch Gesetzen unterworden. Freier sind wir auch nicht: morgens um 6 in die Maske und abends kommt man nicht vor 23 Uhr nach Hause. Das ist ein harter Job, kein Zuckerschlecken.

 

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