Karriereende nach der Saison Fritz von Thurn und Taxis: "Ich habe alles gesehen"

Hat mehr als 1000 Live-Übertragungen hinter sich: Reporter Fritz von Thurn und Taxis. Foto: firo/Augenklick

Im AZ-Interview spricht Fritz von Thurn und Taxis über seine letzte Saison als TV-Kommentator – und erinnert sich an 46 Jahre am Mikrofon. "Privat schaue ich Fußball lieber im Fernsehen", sagt der 66-Jährige.

 

Sky-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis hängt nach der Saison das Mikro an den Nagel. Im AZ-Interview spricht der 66-Jährige über seinen Ruhestand, seinen einzigen Stadionbesuch und legendäre Partien.

AZ: Herr von Thurn und Taxis, Sie haben angekündigt, nur noch eine Saison für „Sky“ Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League zu kommentieren. Im Mai 2017 machen Sie nach 46 Jahren als Radio- und TV-Kommentator Schluss. Was hat Ihre Frau Bea dazu gesagt?
VON THURN UND TAXIS (66): Im öffentlich-rechtlichen Bereich hätte ich ja schon mit 65 das Rentenalter erreicht. Als ich vor zwei Jahren bzw. einem Jahr jeweils noch um eine Saison bei „Sky“ verlängert habe, war sie sehr zufrieden, ja begeistert. Nun könnte es sein, dass ich dann zu viel daheim bin (lacht). Nein, wir sind 40 Jahre verheiratet, da kennt man sich.

Blicken wir zehn Monate voraus: Auf was speziell freuen Sie sich ab Juni 2017?
Ich kommentiere leidenschaftlich gerne, freue mich auf diese letzte Saison. Aber ich werde froh sein, dann nicht mehr so viele Spiele in der Vorbereitung auf meinen Einsatz sehen zu müssen, das ist schon sehr aufwändig. Da war und bin ich sehr penibel. Meine Frau sagt immer: Du bist so lange im Geschäft, warum musst du dich immer noch intensiv vorbereiten? Aber es gibt ja immer neue Entwicklungen, Trainer, Spieler. Vielleicht arbeite ich ja auch weiter, mal sehen. Noch keine Ahnung was genau. Da bin ich entspannt.

"Genau einmal"

Sie kamen 1971 zum Bayerischen Rundfunk, haben dann 1993 bei „Premiere“, heute „Sky“ erstmals mit einem festen Vertrag gearbeitet. 46 Jahre TV, mehr als 1000 Live-Übertragungen. Gehen Sie überhaupt privat ins Stadion?
In den letzten Jahrzehnten genau ein Mal. Das war das „Finale dahoam“ zwischen den Bayern und dem FC Chelsea, 2012 in der Allianz Arena. Wir alle kennen den dramatischen Ausgang. Nach Schlusspfiff habe ich mir eines der ersten Taxen geschnappt und war weg.

Ich habe ja alles gesehen, angefangen mit den großen Zeiten der Bayern um Maier, Müller, Beckenbauer & Co., in den 70er Jahren – nein, wenn ich Fußball schaue, dann lieber im Fernsehen, ganz in Ruhe. In den letzten Jahren habe mich für meine Tauf- und Firmkinder Karten für Halbfinalspiele der Champions League besorgt. Es ist schön, ihnen eine Freude zu machen.
Welche Momente als Fußball-Kommentator kommen Ihnen denn spontan in den Sinn, wenn Sie an Ihre aufregendsten, schönsten Erlebnisse denken?
Als junger BR-Reporter durfte ich zahlreiche Europacup-Reisen machen, ich denke etwa an das 0:0 der Bayern 1981 in Liverpool mit Walter Junghans im Tor. Es war das Halbfinal-Hinspiel im Europapokal der Landesmeister. Eine unglaubliche Atmosphäre an der „Anfield Road“, wir kommentierten von einem Platz unterhalb des Daches, das sah aus wie ein Vogelnest. Durch das 1:1 im Rückspiel verpassten die Bayern das Endspiel.

Oder das Elfmeter-Drama im Uefa-Pokal gegen PAOK Saloniki im November 1983, als Trainer Pal Csernai nach München zurückkehrte. Auf das zweite 0:0 im Rückspiel folgte im Olympiastadion ein nicht enden wollendes Elferschießen. Fast jeder Schütze war schon dran, als der damalige Manager Uli Hoeneß den Bertram Beierlorzer vergeblich suchte. Der hatte sich in die Kabine verkrümelt, wollte nicht antreten. Also musste Torwart Jean-Marie Pfaff ran – und versenkte den Ball irgendwie zum 9:8.

Ein legendäres Spiel. Auch schwierig für uns, weil der BR damals nicht live übertrug. Wir mussten beim Schneiden ein paar Elfer weglassen und die geschnittenen Szenen direkt kommentieren, das war abenteuerlich.

"Dortmund wegen der Stimmung"

Sie haben alle Arenen der Welt gesehen – welche waren und sind Ihre Top 3 Stadien?
Das Olympiastadion, allein wegen der Architektur und dem ganzen Gelände. Dann Hamburg: nicht zu groß, nicht zu klein, sehr gute Atmosphäre, toller Blickwinkel. Schließlich Dortmund wegen der Stimmung. International ist mir das etwas in die Jahre gekommene Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand lieber als die großen, traditionsbehafteten Arenen in Barcelona und Madrid.
Und zum Abschluss: Ihre Top3-Reiseziele?
Rom wegen der Kirchen und Restaurants, dann Wien. Meine Schwester lebt in der Nähe von Wien und ich bin ja in Linz geboren. Und London. Eine außergewöhnliche Stadt mit tollen Geschäften, vor allem Confiserien. Ich bin ja bekannt für meine Schokoladen-Sucht. Einmal habe ich dort fast ein Spiel verpasst, weil ich mir einbildete, unbedingt einen ganz speziellen Chocolatier etwas außerhalb aufsuchen zu müssen. Ich blickte auf die Uhr, dachte mir: Ja, bist du denn verrückt – habe es dann aber doch noch rechtzeitig ins Stadion geschafft.

 

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