Kandidatur als Umweltreferent Hollemann: Total-Debakel für die CSU

Unter Schock: Josef Schmid - Markus Hollemann verzichtet auf das Referentenamt. Foto: Daniel von Loeper

Der von ihr favorisierte neue Umweltreferent Markus Hollemann von der ÖDP wird als Hardliner enttarnt und fällt durch.

 

München - Wie hat sich die CSU nicht gefreut: Endlich alleine entscheiden, ohne SPD. Entsprechend euphorisch hat die Rathaus-Fraktion am Montag ihren Kandidaten für das Amt des neuen Umweltreferenten vorgestellt. Markus Hollemann sollte es werden, ÖDP-Mann und ein ausgewiesener Umweltexperte – eine nur vermeintlich gute Wahl. Denn Hollemann ist für die CSU mittlerweile zum Desaster geworden.

Nach der Vorstellung Hollemanns sind einige höchst umstrittene Vereinsmitgliedschaften bekannt geworden. So unterstützt der 42-Jährige etwa die „Aktion Lebensrecht für Alle“, eine Gruppe radikaler Abreibungsgegner. Und auch bei dem Hilfswerk „Christian Solidarity International“ (CSI) ist er Mitglied. Dessen Geschäftsführer Gunnar Wiebalck hat sich schon des öfteren auf die Seite des rechten Islamhassers Michael Stürzenberger geschlagen, Im Stadtrat, wo Hollemann eigentlich hätte gewählt werden sollen, sorgte die Personalie gestern für entsprechenden Wirbel. „Holen wir uns da etwa einen Referenten ins Haus, der jeden Montag auf der falschen Seite demonstriert?“, wollte Michael Mattar (FDP) besorgt wissen.

Schwerwiegender als die CSI-Mitgliedschaft sind aber tatsächlich Hollemanns Sympathien für die „Aktion Lebensrecht“. Als Umweltreferent wäre er schließlich auch für die städtische Schwangerenberatungsstelle zuständig. Ob die CSU an ihrem Kandidaten festhält, machte der Vize-Fraktionschef Michael Kuffer zunächst davon abhängig, ob Hollemann ein „klares Bekenntnis zum Selbstbestimmungsrecht der Frau“ abgibt.

Diese Frage stellte sich dann allerdings gar nicht mehr: Hollemann hat seine Bewerbung gestern nach einem einstündigen Gespräch mit der CSU-Spitze zurückgezogen – „um den Stadtfrieden zu wahren“, wie Bürgermeister Josef Schmid sagte. Hollemann selbst erklärte: „Gerade als Christ lehne ich rechtes Gedankengut ohne Wenn und Aber ab.“ Gleichzeitig distanzierte er sich von den Zielen der „Aktion Lebensrecht“. Er sei keineswegs für eine Abschaffung des Abtreibungsparagrafen. „Ich bedauere, mich nicht intensiv mit der Programmatik auseinandergesetzt zu haben“.

Hollemann stellt die umstrittenen Mitgliedschaften demnach als Unüberlegtheit dar. Allem Anschein nach ist ihm die Brisanz dieser Angelegenheit allerdings durchaus bewusst gewesen. In seinem Bewerbungsschreiben hat er jeden Verein aufgelistet, den er unterstützt – sogar den FC Bayern. Doch ausgerechnet die beiden kritischen Vereine verschwieg er.

Die CSU will sich jetzt in Ruhe beraten. Der neue Umweltreferent soll erst in der nächsten Vollversammlung des Stadtrats Anfang März wieder Thema werden. Bis dahin will sich die CSU die übrigen acht Kandidaten noch einmal genau anschauen.

Das hätte sich übrigens auch im Fall Hollemann gelohnt. Denn auch wenn der ÖDP-Politiker in seinem Bewerbungsschreiben ein paar Vereinsmitgliedschaften unterschlagen hat – im Internet führt er feinsäuberlich Buch. Auf seiner Homepage sind neben mehreren Öko-Vereinen auch CSI und die „Aktion Lebensrecht“ gelistet.

 

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