Kampf gegen Luftverschmutzung Pflanzen als Luftfilter sind der Stadt München zu teuer

In Südamerika arbeiten die Städte gerne mit vertikalen Gärten. Hier wird gerade eine Straße in Sao Paulo bepflanzt. Foto: Cris Faga/dpa

Im Kampf gegen schlechte Luft setzen viele Städte auf die Begrünung des Straßenraums. Doch das kostet viel Geld – das die Stadt München nicht ausgeben will.

München ist deutscher Meister bei der Luftverschmutzung. In keiner anderen deutschen Stadt liegen die Stickoxid-Werte so hoch wie hier. 78 Mikrogramm wurden vergangenes Jahrs als Mittelwert gemessen – zulässig wären 40.

München steht mit diesem Problem natürlich nicht alleine da. Stuttgart, Hamburg Köln – überall werden die Grenzwerte überschritten. Und auch in vielen anderen Metropolen weltweit sieht die Lage kein bisschen anders aus.

München verzichtet auf Versuche mit Pflanzen als Luftfilter

Um die Luft zu verbessern, experimentieren viele Städte mittlerweile mit der Begrünung des Straßenraums. Mooswände an viel befahrenen Straßen, vertikale Gärten an Brückenpfeilern oder sogenannte "City Trees" auf Plätzen – all das wird gerade erprobt.

Auch bei der rot-schwarzen Stadtregierung hätte man sich gut vorstellen können, dass mehr Grün an den Straßen der Luftqualität guttut. Auf Anraten von Münchens Umweltreferentin Stephanie Jacobs (parteilos) wird die Stadt aber vorerst auf Versuche mit Pflanzen als Luftfilter verzichten.

Die sogenannten "City Trees" arbeiten mit bepflanzten Wänden. Der Effekt ist jedoch eher gering.
Die sogenannten "City Trees" arbeiten mit bepflanzten Wänden. Der Effekt ist jedoch eher gering. Foto: Green City Solutions

Zwar hat Vegetation tatsächlich eine reinigende Wirkung. Der Dreck bleibt an den Blättern kleben, wächst ein oder wird später von Regen heruntergewaschen. Dieser Filtereffekt ist aber nur im Nahbereich messbar und liegt in der Regel auch deutlich unter 20 Prozent. Die restlichen Schadstoffe schwirren einfach weiter durch die Luft.

Das städtische Umweltreferat hält es deshalb nicht für angemessen, großartig Geld in die Hand zu nehmen. Denn das müsste man in München wohl tun, wollte man mit mehr Grün tatsächlich die Luft besser machen. In Stuttgart läuft seit vergangenem Jahr ein Test mit einer drei Meter hohen Mooswand. Die hundert Meter haben 560.000 Euro gekostet. Damit das vermeintliche Wundermittel nicht verdorrt, muss es regelmäßig besprenkelt oder verschattet werden. Das macht das Projekt so teuer.

Eine Alternative für die Luftreinhaltung hat noch keiner parat

Auch die vertikalen Gärten oder die "City Trees" wären nicht gerade günstig. Für Umweltreferentin Jacobs stehen die Kosten damit in keinem Verhältnis zum erwarteten Nutzen. Zumal solche Aufbauten auch Luftströmungen blockieren könnten. Statt, dass es den Dreck einfach wegweht, wäre die Konzentration an Schadstoffen dann sogar noch höher. Deshalb der Ratschlag von Jacobs: Finger weg!

Bei SPD und CSU findet man es bedauerlich, dass die grüne Offensive so schnell scheitert. "Schade, dass gerade unsere Idee mit den Mooswänden offenbar nicht praktikabel ist", so Sebastian Schall, der umweltpolitische Sprecher der CSU-Fraktion. In Stuttgart werde der Versuch nun aber auch wieder abgebrochen, sagt er. Jetzt müsse man sich zur Luftreinhaltung eben etwas Neues einfallen lassen.


Luft reinigen mit Moos: In Stuttgart hat man das versucht – aber auch dort wird das Experiment nun wieder abgebrochen. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Was dieses Neue sein wird, ist freilich noch vollkommen offen. Eigentlich könne man nur an die Bundespolitik appellieren, sagt SPD-Stadträtin Ulrike Boesser. Stichwort: blaue Plakette zur Regulierung des Diesel-Verkehrs. Das Moos jedenfalls wird nicht die Münchner Luft retten. Diesen Vorschlag hat der Stadtrat gestern endgültig verworfen.

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