Kampf gegen Klischees So wird der "Tatort: Zirkuskind" am Sonntag

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) bei den Ermittlungen im Zirkus Burani Foto: SWR/Alexander Kluge

Die Kommissare Lena Odenthal und Mario Kopper kämpfen nicht gegen Clowns, sondern gegen einen unheimlichen Gesellen im bunten Bademantel - und andere Klischees. Was der Fall mit Tunesien, Drogen und Kunst zu tun hat, zeigt sich am Sonntag. Lohnt sich das Einschalten? Hier gibt es die Antwort!

 

Berlin - Der Fall: Im "Tatort: Zirkuskind" (Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste) wird einer der Mitarbeiter des kleinen Familienzirkus' Burani am Morgen nach der Vorführung erschlagen in der Manege gefunden. Die Kommissare Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) sollen den Fall klären. Patriarchin Lousiana (Steffi Kühnert) schert sich wenig um den Tod von Pit (Mark Filatov). Sie hat genug damit zu tun, das Überleben ihres kleinen Unternehmens zu sichern und ihre Tochter Felicitas (Liv Lisa Fries) bei der Stange zu halten. Bald vermuten Odenthal und Kopper, dass Pit und sein Bruder Robbi (Hanno Koffler) den Winteraufenthalt in Tunesien genutzt haben, um zu schmuggeln. Die Kommissare machen sich auf die Suche nach dem unbekannten Schmuggelgut.

Lohnt es sich, am Sonntag einzuschalten?

Jein. Für "Tatort"-Einsteiger eignet sich die Folge schon, für Profis ist der Drahtseilakt allerdings etwas zu platt. Observiert wird zum Beispiel mehrfach wenig Erfolg versprechend allein. Lena Odenthal wählt dabei einen sehr unauffälligen Platz im Auto direkt auf dem Zirkusgelände - und wird bei einem weiteren Alleingang auch prompt überfallen.

Kollege Kopper beschattet in so auffälligem Outfit, dass der Verfolgte schon blind sein müsste, um ihn in Ludwigshafen nicht zu sehen. Apropos: Dass schräge Menschen schräge Klamotten tragen - im gegebenen Fall Bademäntel - ist nur eines der Klischees, die im Krimi zwar einerseits kritisiert werden, mit denen andererseits aber nicht besonders gekonnt gespielt wird. Denn wie unglücklich muss ein Mädchen sein, bis es frei nach Hubert von Goiserns Wies'n-Hit "Brenna tuat's guat" agiert?

Trotz der Schwächen im Plot: Der ungekünstelten Ulrike Folkerts (52, "Spieltrieb") und dem lässigen Andreas Hoppe (53, "Allein unter Gurken: Mein abenteuerlicher Versuch, mich regional zu ernähren") ist kein Vorwurf zu machen, die beiden Schauspieler machen ihren Job gewohnt gut. Und wer sich für Filmpreisträger interessiert, sollte sich das titelgebende Zirkuskind ruhig genauer ansehen. Denn Liv Lisa Fries (23) ist die frisch gekürte "beste Nachwuchsdarstellerin 2013". Den Bayerischen Filmpreis bekam sie Mitte Januar für ihre Rolle in "Und morgen mittag bin ich tot" überreicht.

Was dieser "Tatort" nach Angaben des Senders wollte, nämlich mit der "Ambivalenz zwischen dem Zauber der Manege und dem Kampf ums Überleben, der sich hinter den Kulissen abspielt, spielen", das hat er nicht geschafft. Aber damit sind die Macher nicht allein. Denn auch die HR-Variante "Schwindelfrei" mit Ulrich Tukur, die Ende 2013 ausgestrahlt worden war, konnte nicht überzeugen. Vielleicht sollte die ungeschriebene Regel "Keine Filme über Fußball" ja einfach in "Keine Filme über Zirkus" abgeändert werden.

 

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