Seit das Stelzenhaus am Dantebad steht, sind weitere neun "Wohnen für Alle"-Anlagen fertig geworden. Gut schauen sie aus – aber es geht nicht schnell genug voran.

Es war eine Art Befreiungsschlag gegen die Wohnungsnot, als OB Dieter Reiter (SPD) im Frühling 2016 das Turbo-Wohnungsbauprogramm "Wohnen für Alle" ausgerufen hat. Das Ziel: Bis 2019 günstig und schnell 3.000 Wohnungen für Münchner mit wenig Geld (zur Hälfte auch für Flüchtlinge) zu bauen – zusätzlich zum normalen Bauprogramm. Anfang 2017 war das "Stelzenhaus" überm Parkplatz am Dantebad fertig. Seither folgten weitere neun Wohnanlagen. Nun gibt es 791 Günstig-Wohnungen, bis 2020 werden erst 1.500 stehen, glaubt SPD-Planungssprecherin Heide Rieke, also halb so viele wie erhofft.

Warum es dauert? Weil viele Anwohner sich wehren gegen neue Nachbarn mit Migrationshintergrund und schmalem Geldbeutel. Und weil private Bauträger kaum mitmachen wollen. Nur einer ist bislang im Boot, "das ist zu wenig", sagt SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. "Wir hoffen, dass weitere folgen."

Lerchenau: Die Gewofag hat 46 Bleiben errichtet

Fesch geworden sind sie, die vier flachen Holzbau-Riegel der Gewofag an der Schittgablerstraße in der Lerchenau. Nach vorne grenzen sie an ein Moosacher Gewerbegebiet, seitlich liegen Lerchenauer Einfamilienhäuser. Auf der Rückseite: ein Garten mit Spielplatz.

Die 46 Wohnungen (Baukosten: rund sechs Millionen Euro) waren in weniger als einem Jahr bezugsfertig. Seit dem vergangenen November wohnen an die hundert neue Mieter drin: Zur Hälfte Münchner Rentner, Alleinerziehende und andere, die nicht viel Geld haben – zur anderen Hälfte anerkannte Flüchtlinge, vor allem Familien aus Syrien. Anfangs, sagt Gewofag-Chef Klaus-Michael Dengler, habe es "große Skepsis und viel Abwehr" von den Nachbarn gegeben. Beim Mieterfest im August hätten sich viele kennengelernt. Jetzt gebe es "viel Verständnis".

Milbertshofen: 55 GWG- Wohnungen für alle

Ziemlich viel Streit hat es in der Planungsphase um das "Wohnen für Alle"-Haus der städtischen GWG an der Schmalkaldener Straße (Milbertshofen) gegeben. Die Anwohner wollten vor allem auf ihren Bolzplatz nicht verzichten, auf den das Haus hätte gebaut werden sollen. Die Stadt löste das praktisch und hat den Bolzplatz einfach ein Stückerl verrutscht auf dem Grundstück.

Jetzt schirmt das neue Wohnhaus einen Hof ab gegen den Autolärm vom Frankfurter Ring, es ist ein ruhiger Garten mit Spiel- und Bolzplatz entstanden. Seit sieben Monaten wohnen 55 Parteien hier, zwölf Singles, 17 Paare und 29 Familien. Das Zusammenleben, sagen die Sozialpädagogen vor Ort, klappe "einwandfrei".

Moosach: Hier hat ein Privater gebaut

Es ging rasend schnell. Gerade mal zehn Monate war Baustelle direkt unterm O²-Hochhaus, dann war der sechsstöckige dunkelgraue Wohnriegel in Moosach fertig. Im August 2017 sind die neuen Mieter in die 143 "Wohnen für Alle"- Wohnungen an der Gärtnerstraße 51 eingezogen. 75 Singles, 68 Paare und Familien (mit 50 Kindern) – alle mit schmalen Einkommen, in Deutschkursen, in Ausbildung oder auf Jobsuche. Sie wohnen enger als in normalen Sozialwohnungen, zahlen aber auch nur zwischen 5,65 und 9,50 Euro Miete pro Quadratmeter.

Es ist die einzige der bislang zehn Turbo-Wohnanlagen, die eine private Wohnungsbaugesellschaft, die RMH, gebaut hat. Eigentümer Rudolf Muhr, der schon nebenan ein Boadinghaus realisiert hat, wollte seiner "sozialen Verantwortung gerecht werden", wie er sagt.

Wohnen für alle: Den Mietern gefällt's

Etwa ein Drittel weniger als ein gewöhnlicher Sozialbau kostet der Bau eines "Wohnen für Alle"-Hauses im Schnitt. Man plant die Wohnungen kleiner, legt lauter gleiche Wohnungsgrundrisse übereinander, baut Bäder ein, die fertig geliefert werden, lässt Tiefgaragen und viel Schnickschnack weg, und wählt simple Fassaden.

Den Mietern jedenfalls gefällt ihr neues Heim. Marica Backes (50; Monteurin) ist für 840 Euro Miete mit ihren Söhnen (8 und 10) und ihrer Mutter in eine kleine Dreizimmerwohnung im zweiten Stock eingezogen und glücklich. "Ich habe in meiner letzten Wohnung eine Kündigung wegen Eigenbedarfs bekommen", erzählt sie. "Beinahe wären wir auf der Straße gestanden." Aber dann vermittelte das Wohnungsamt sie hierher.

Einen Stock tiefer lebt die Rumänin Alina Alexa (41), die ihren Sohn Alex (3) allein erzieht. Während sie täglich fünf Stunden im Deutschkurs sitzt, geht der Bub in den Kindergarten. Sie hat fünf Jahre als Altenpflegerin in Italien gearbeitet. "Wenn ich genug deutsch kann", sagt sie, "finde ich hier auch wieder Arbeit." Dann wird sie auch ihre Miete wieder ohne Jobcenterhilfe allein bestreiten können.