Kammerspiele Mörderische Langeweile

Ins Shakespeares schottischem Stück pflegt es blutig zuzugehen. In den Kammerspielen ist es zwischendrin auch lustig. Foto: Rabanus

Schlafender Raum” steht an der schwarzen Hausfront. Dahinter schlafen und erwachen Tod und Verrat, die bösen Gedanken, Ängste und Zweifel des Königsmörders Macbeth. Karin Henkel lädt die Zuschauer plakativ ein zu ihrer Deutung des Shakespeare-Dramas als Innenwelt des Titelhelden. So überdeutlich geht’s auch weiter in ihrer „Macbeth”-Inszenierung an den Kammerspielen. Die schafft, was Theater keinesfalls darf: zu langweilen. Viele angerissene Themen bleiben als lose Enden hängen. Trotz der hervorragenden Macbeth-Darstellerin Jana Schulz ist das wohl der Flop der ersten Intendanten-Spielzeit von Johan Simons. Applaus für die unterforderten Schauspieler, Buhrufe für die überforderte Regie.

 

Dass eine Frau den Kriegshelden Macbeth spielt, den eine Hexenprophezeiung und der Ehrgeiz seiner Gemahlin zum Königsmörder und Tyrannen werden lassen, soll laut Karin Henkel keine Rolle spielen. Tut es auch nicht, denn die anderen vier Darsteller spielen ebenfalls die verschiedensten Rollen. Dass aber Macbeth hier in Gestalt von Jana Schulz ein schmales, zart wirkendes Jüngelchen ist, schafft ein anderes Bild: Dies ist – suggeriert die Regisseurin – ein traumatisierter Kriegsheimkehrer aus Afghanistan oder sonstwo.

Das Blut, das die glamourösen Hexen ihm und seinem Kumpan Banquo ans weiße Hemd schmieren, wird er nicht mehr los. Das Töten ist im Krieg Tagesgeschäft, im zivilen Leben aber ein strafbares Verbrechen.

Diesen Macbeth muss seine Lady (Katja Bürkle) zum Jagen tragen, zum mörderischen Realisieren seiner von den Hexen geweissagten Machtwünsche, an denen er zu Grunde geht. Er erschlägt seinen Freund und Mitwisser. Der Geist des von ihm erschlagenen Freundes verfolgt Banquo bei Henkel über die Bankett-Szene hinaus ständig als schlechtes Geswissen. Eine schlüssige Idee, die billig verjubelt wird: Benny Claessens wird als Clown zur grotesk krächzenden Comic-Figur.

Es gibt schöne Bilder. Banquos Geist verdrängt Macbeth aus dessen Bett. Auf ebendiesem Bett sitzen Macbeth und seine Lady als schuldbeladene Loser. Starke Momente, die dann wieder von missratenen, überflüssigen Comic-Bilder zerstört werden. Warum müssen Claessens und Stefan Merki wie in einer Talkshow als gedungene Mörder auf Schwyzerdütsch und Holländisch herumquatschen? Eine wirklich starke Szene liefert Kate Strong, die wie ein Sportreporter den Mord an Banquo in allen Details beschreibt.

Karin Henkel und Dramaturg Jeroen Versteele haben Thomas Braschs alltagssprachliche Shakespeare-Fassung so verkürzt, dass man ohne Kenntnis des Originals sowieso nicht versteht, wer gerade welche Figur spielt.

Das Drama produziert sich an der Rampe. Die Hexen posieren in scheußlich-schönen Tanzturnier-Tutus an Mikrofonen. Aber alle interessanten Denkansätze versanden im Nichts. Wie auch das Finale: Der mit Western-Filmmusik angekündigte Showdown findet einfach nicht statt. Da liegt eben einfach der zerstückte Wald, den die Hexen durch Fenster reinschmeißen, und basta. Den Verzicht aufs äußere Kampfdrama könnte man verschmerzen, wenn ein inneres stattgefunden hätte. Jana Schulz spielt faszinierend Unentschlossenheit, Resignation Angst. Aber das wirkliche Drama hat Karin Henkel nicht inszeniert.

Kammerspiele, wieder am 23., 29., 30.6. und im Juli

 

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