Kälte bringt Insekten in Lebensgefahr Unbekannte randalieren an Bienenstand in Sendling

Unbekannte haben in der Nacht Bienenstöcke in Sendling geöffnet. Für die Tiere kann das den Tod bedeuten. Imker Andreas Bock ist entsetzt. Foto: ho

Die Täter entfernten die Deckel der 25 Bienenkästen. Dadurch strömte Kälte ins Innere - eine Katastrophe für Imker Andreas Bock.

 

Sendling - Unbekannte wollten offenbar seinen Bienenstand zu zerstören, sagt Imker Andreas Bock aus München. Der Schock ist seiner Stimme deutlich anzuhören. Unbekannte hatten in der Nacht  zu Sonntag alle Deckel der Bienenstöcke an der Stemmerwiese entfernt. Das kann bei kalten Temperaturen den Tod der Bienen bedeuten.

Ob die Tiere überleben werden, ist unklar

Nachbarn hatten den Vandalismus am Vormittag zufällig entdeckt, den Imker informiert und die Deckel wieder draufgesetzt. Ob die Tiere überleben, werde sich in den nächsten Wochen zeigen, so Bock.

Die Bienen halten momentan Winterruhe. Im Bienenstock sitzen sie derzeit zu einer sogenannten Wintertraube aneinandergedrängt, diese ist etwa handballgroß. So können sie sich gegenseitig warm halten. Im Inneren der Traube, inmitten der etwa 10.000 bis 15.000 Bienen, ist die Königin. Bei ihr hat es etwa 20 Grad. Je weiter außen die Biene also sitzt, desto kälter ist es - und desto größer die Gefahr, dass sie stirbt, wenn Kälte eindringt.

Die Wärme im Stock produzieren die Bienen mit ihrer Muskulatur, die dafür benötigte Energie gewinnen sie durch Honig: Drei bis vier Waben sind in jedem Stock. Die sogenannte Wintertraube bewegt sich ganz langsam von Wabe zu Wabe und frisst sich den Winter über durch ihre Vorräte. Im Frühling, meist im März, geht's dann wieder raus in die Welt.

In einem Stock ist die Königin gestorben

Imker Andreas Bock hatte schon öfter mit Vandalismus zu kämpfen. Neben den Bienenstöcken in Sendling hat er auch welche in Schwabing an der Schwere-Reiter-Straße. Auch dort seien schon mal Kästen beschädigt worden, sagt Bock. "Bei einem, der umgeschmissen wurde, ist die Königin gestorben."

Der materielle Schaden bei dem jüngsten Fall in Sendling geht möglicherweise in die Tausende. Viel schlimmer ist für den 57 Jahre alten Imker aber, dass die Bienen einer solchen Situation ausgesetzt wurden. "Ich habe einen Tierbestand, für den ich die Verantwortung trage", betont Bock. Auch der Schaden für die Umwelt sei im Falle eines Bienensterbens immens: "Dadurch würde im nächsten Sommer weniger bestäubt." Doch dies ist zwingend notwendig für einen funktionierenden Naturkreislauf.

Und es gäbe auch weniger Honig: Ein Bienenstock produziert rund 25 Kilogramm im Jahr. "Der mögliche Schaden an den Bienen, an der Umwelt und meiner finanziellen Existenz durch diese Tat ist zwar schwer messbar, aber tatsächlich sehr groß", sagt Bock. Als Gründungsmitglied der Münchner Stadtimker, Mitglied der Landwirte des Münchner Grüngürtels und Bio-Imker kümmert er sich nicht nur um die Pflege der Bienen. Er engagiert sich auch stark um die Bildungsarbeit in diesem Bereich innerhalb der Münchner Öffentlichkeit. Kaum ein Arbeitstag vergehe, ohne dass interessierte Sendlinger, darunter viele Eltern mit ihren Kindern, neugierig seinen Stand besuchten.

Imker hofft auf Hinweise zur Tatnacht

"Diese Passion habe ich zum Haupterwerb gemacht", sagt Bock. Seit Jahren bietet er in Sendling an der Bienenwiese auch VHS-Kurse, Besuchsmöglichkeiten für Schul- und Kindergartengruppen und Sensenkurse an. An die Hundert Bienenstöcke besitzt der Münchner mittlerweile, sie sind über Stadt und Land verteilt: "Meine Bienen fliegen in München und vom Alpenrand bis ins Wittelsbacher Land."

Jetzt hofft er auf Hinweise zur Tat in Sendling. Er bittet Zeugen, sich bei der Polizei in Sendling zu melden, Telefon 089/74 35 60.

 

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