Der Biergarten Kaltenbrunn hat sich gewandelt. Statt Schickimicki gibt’s hier jetzt faire Preise.

Der Biergarten Kaltenbrunn zählt sicherlich zu denen mit der schönsten Aussicht in ganz Bayern. Hoch über dem Tegernsee gelegen, mit einem tollen Blick über den See bis rüber zum Wallberg. Egal, ob man eine Wanderung unternimmt, eine Radltour, oder sportlich um den See 21 Kilometer joggt – am Gut Kaltenbrunn führt kein Weg vorbei.

Und trotzdem lag der Biergarten jahrelang brach. Die Schörghuber-Gruppe wollte ein luxuriöses Kongresshotel bauen. Die Pläne scheiterten. Der Biergarten wurde dichtgemacht.

Feinkostkönig Michael Käfer erweckte ihn aus dem Dornröschenschlaf. Doch es lief zu Beginn nicht gut. Den Einheimischen war es zu viel Schickimicki, die Preise waren gesalzen und Ausflügler verirrten sich nur selten nach Kaltenbrunn.
Nach einem Relaunch mit deutlich gesenkten Preisen wurde ein Familienbiergarten eingerichtet. Mit zünftigen Holzbänken und bunten Sonnenschirmen, die von aller Weite zu sehen sind.

Die große Spezi kommt im Maßkrug

Das neue Konzept kommt an. Radler schauen vorbei, Familien machen Ausflüge und auch die Einheimischen haben sich mit dem Biergarten offensichtlich wieder angefreundet.

Das Bier bekommt man im Halbe-Krügerl, was sehr angenehm ist, weil es nicht so schnell schal wird. Die Halbe Hacker-Pschorr kostet 3,50 Euro. Man bekommt auch eine Maß vom Fass (7 Euro). Die Halbe Weißbier, leicht oder normal kostet 3,80 Euro.
Ein große Spezi ist, nicht wie in München üblich ein halber Liter, sondern kommt ebenfalls im Maßkrug (6 Euro), was bei Kindern große, leuchtende Augen auslöst. Wasser, der halbe Liter 2,70 Euro.

Ist das Hendl zu trocken, gibt es noch ein Viertel gratis dazu

Am Grill gibt’s feine Biergartenschmankerl. Die Lachsforelle (16,80 Euro) wird über Holzkohle gegrillt. Sehr zu empfehlen. Die Hendl drehen sich am Elektrogrill. Sie sind saftig und was verblüfft: Wenn der Mann am Grill den Eindruck hat, dass das Hendl (Halbes 7,50 Euro) etwas trocken sein könnte, legt er freiwillig und ungefragt ein Viertel gratis dazu. Darauf kann man in Münchner Biergärten lange warten.

Der Obazde (5,80 Euro) ist hervorragend, Wurstsalat gibt’s mit Käse (7,50 Euro) und ohne für 6,50 Euro. Vegetarier können sich Radi (3,20 Euro) und Riesenbrezen (3,40 Euro) bestellen, dazu gibt’s Ofenkartoffeln mit Sauerrahm oder Antipasti im Glas.
Auf den Nachtisch braucht auch keiner verzichten. Kaffee gibt’s in den unterschiedlichsten Ausführungen. Haferl 3,20 Euro, Cappuccino 3,50 Euro, Espresso 2,50 Euro. Dazu Millirahmstrudel und kleine Kuchen. Was fehlt, ist eine Auszogne, frisch aus der Fritteuse.

Was Kaltenbrunn so angenehm macht: Man muss nicht mit dem Auto fahren. Die Bayerische Oberlandbahn bringt einen bis Gmund. Vom Bahnhof sind es nur ein paar Minuten zu Fuß, allerdings den Berg rauf. Was aber später den Rückweg erleichtert.