Kachelmann-Prozess Zeitlöcher gestopft

Jörg Kachelmann hat in der Nacht nach der angeblichen Vergewaltigung seiner Ex-Geliebten offenbar eine Stunde lang im Internet gesurft. Das ergab die Vernehmung eines Computerexperten am Dienstag vor dem Landgericht Mannheim.

 

Mannheim Damit könnte sich die Frage klären, warum Kachelmann nach der angeblichen Tat erst so spät im Hotel ankam. Das galt bis lang als möglicher Widerspruch in der Darstellung des Fernsehmoderators, der seine ehemalige Geliebte vergewaltigt haben soll.

Kachelmann soll gegen ein Uhr nachts bei seiner Ex-Geliebten im baden-württembergischen Schwetzingen aufgebrochen sein; nach der Aussage von Hotelangestellten checkte er gegen 3:30 Uhr in einem Hotel in Mörfelden in der Nähe des Frankfurter Flughafens ein. Die Strecke lässt sich jedoch in rund 45 Minuten bewältigen. Was also tat Kachelmann in der Zwischenzeit? Dies war bislang eine der offenen Fragen in diesem Prozess, und dieses Zeitloch schien eher gegen Kachelmann zu sprechen.

Ein Computerexperte der Polizei brachte nun ein wenig Licht in das Dunkel der angeblichen Tatnacht: Um 2:25 Uhr habe Kachelmann seinen Laptop gestartet und sich kurz darauf eine Version von Skype aus dem Internet heruntergeladen, ergab die Auswertung des Computers. Anschließend habe Kachelmann bis 3:23 Uhr seinen Computer genutzt. Ob er im Auto an seinem Computer arbeitete oder an einem anderen Ort wurde nicht bekannt.

Ansonsten ergab die Technikstunde im Landgericht Mannheim viele Details, aber kein klares Bild: So war bereits bekannt, dass das mutmaßliche Opfer schon längere Zeit vor der angeblichen Tat über Kachelmanns Parallelbeziehungen Bescheid wusste - anders, als sie zunächst behauptet hatte. Die Computerauswertung bestätigte nun: Schon ein Jahr vor der mutmaßlichen Tat hatte die Radiomoderatorin den Namen einer der anderen Geliebten gegoogelt.

Im Übrigen scheint nun wirklich ein Ende des Prozesses in Sicht: Der Vorsitzende Richter Michael Seidling kündigte an, das Gericht wolle das Verfahren im Mai abschließen. Er widersprach Vorwürfen des Verteidigers Johann Schwenn, das Gericht wolle die Beweisaufnahme "ad infinitum" - bis ins Unendliche - fortführen. Mittlerweile dauert der Prozess bereits 30 Verhandlungstage. Der nächste Termin ist für diesen Donnerstag angesetzt.

 

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