Kabarett Klassenclown auf dem Oktoberfest

Der 1966 in Dorfen geborene Michael Mittermeier verbindet in seinen Programmen moderne Stand-up-Comedy mit Elementen des klassischen Kabaretts. Foto: ho

Michael Mittermeier präsentiert im ausverkauften Circus Krone seine Show „Blackout“

 

Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Comedian sich traut, die typische Handbewegung von Angela Merkel zu einem erotischen Signal umzudeuten. Die Bundeskanzlerin bildet beim Repräsentieren vor Kameras – nach eigenen Angaben, weil sie nicht wohin weiß mit den Armen – eine Raute aus den Händen auf Hüfthöhe. „Da wollen alle Männer rein“ und wählen sie, ist Michael Mittermeier sicher. Die Frauen denken, „so was habe ich auch“, und wählen gleichfalls die Merkel. Doch andererseits: Wenn Helena alleine ihrer Schönheit wegen einen Krieg auslöste, gehen wir jetzt friedlichen Zeiten entgegen, grübelt der humanistisch gebildete Comedian uncharmant nach.

Seine neue Show meint mit „Blackout“ allerdings nur selten die Persönlichkeiten aus Politik und Geschichte. So einen Ausfall gibt es auch auf der Betriebsfete, wenn einer „eine Feder in seinen Hintern steckt und damit auf dem Tisch tanzt“. Die Ausrede, „nur Staub gewischt“ haben zu wollen, reicht dank „You Tube“ nicht mehr: Das haben dann nicht nur die Kollegen gesehen, sondern die ganze Welt. Der „größte staatlich organisierte Blackout“ wiederum ging mit dem Oktoberfest gerade erst in München zu Ende. Was die Stimmung im Saal angeht, ist bei Mittermeiers dreitägigem und ausverkauftem „Blackout“ im Circus Krone mindestens ebenso viel los wie auf der Wiesn.

Das lustige Krischperl aus Dorfen ist noch immer ein Klassenclown. Sein frecher Bubencharme hat auch die ersten grauen Strähnen in der strubbeligen Frisur überlebt. Nur manchmal klingt der 47-Jährige wie der nette alte Onkel Michl, der sich an die Jugendzeit erinnert. Aber dann führt der Weg des Vielgereisten vom Pogo in der Dorfdisco zur Begegnung mit martialischen Maoris oder superhöflichen Briten zum Trojanischen Pferd, von dort zum Pferd in der Lasagne oder seine Zombie-Phobie zur verwegen theologischen Frage, ob nicht Jesus auch ein Zombie war. Dem Michi graust vor gar nix.

 

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