Kabarett Großer Kämpfer für die Kleinkunst

Werner Winkler leitet seit 35 Jahren die Drehleier. Foto: privat

Werner Winkler erhält heute den Münchner Kabarettpreis

 

Einen der „letzten aktiven Kleinkunstromantiker” nennt ihn die Jury: Seit fast 40 Jahren gehört Werner Winkler Urgestein der Münchner Kabarettszene, als Impresario, Gastronom, Talent-Scout, Autor, Regisseur und Schauspieler. Sein Lokal Drehleier feiert gerade 35-jähriges Bestehen, die Jubiläumsproduktion „Das Wirtshaus im Spessart” hat Winkler natürlich selbst geschrieben. Heute erhält der 61-jährige den Münchner Kabarettpreis.

Studiert hat der gebürtige Münchner Maschinenbau, aber schon 1972 die Kleinkunstbühne MUH und 1974 das Fraunhofer-Theater mitbegründet. Für das Kabarett schlug er einen Siemens-Job in Brasilien aus. 1976 wurde er Mitbetreiber des Theaters Drehleier, das er seit 1980 allein leitet. Die alte Drehleier in der Balanstraße war mit kuriosem Plunder dekoriert - ideal für die Vorstadtrevue „Varieté Spectaculum”, die Werner Winkler 1977 erfand. Der schräge Mix aus Klamauk und Musik mit Kabarettisten und Münchner Originalen wurde in kürzester Zeit Kult. 25 Jahre lang gab's jeden Winter eine neue Ausgabe - mit Gastspielen von Berlin bis Wien und sogar im polnischen Krakau. Winkler schrieb und inszenierte große Ensemble-Programme, die Tourismus-Satire „Bye, Bye, Bayern 2010” wurde 1986 auf die Tourismusbörse in Berlin eingeladen.

Jazz mit Bill Ramsey

Neben dem Kabarett-Programm war die Musik wichtig: Ein Highlight war ein Jazz-Abend mit Bill Ramsey, bei dem auch die Spider Murphy Gang zu Gast war. Dann kamen noch Blood, Sweat and Tears nach einem München-Konzert ins Lokal und alle feierten eine Jam-Session bis morgens um fünf.

Nach dem Umzug 1997 in die Rosenheimer Straße wurde es schwieriger, die nun größere Drehleier zu füllen, nicht nur wegen der Konkurrenz von Till Hofmanns wachsendem Schwabinger Kabarett-Imperium. Winkler bilanziert: „Früher gab es weniger Auftrittsorte und keine Privatmedien. Die Privatsender brauchen viel Futter, da drängen die Künstler ins Fernsehen. Die Taktfrequenz der Gastspiele ist kürzer: Früher lief ein Programm drei Wochen, heute zwei Tage. Es gibt deshalb keine großen Ensemble-Produktionen mehr, sie sind zu teuer. Das Publikum ist nicht weniger, aber im Speckgürtel von München sind viele Bürgerhäuser und Kleinkunstlokale entstanden. Und wenn Andreas Giebel in Glonn auftritt, fahren die Glonner nicht mehr zu Giebel nach München. Der Kuchen wird unter mehr Leute verteilt, der Verdienst ist schmaler.”

Giebel, Schramm und Co fingen bei Winkler an

Auch inhaltlich habe der Siegeszug der Comedy viel verändert, meint Winkler: „Früher sind Leute auf die Bühne gegangen, die ein Anliegen hatten. Wir haben Sachen, die uns störten, ins Kabarett gebracht. Heute fragen viele gewinnorientiert erst, was beim Publikum ankommt, und suchen danach eine Thematik.”

Andreas Giebel, Georg Schramm und Rainer Kröhnert haben mal bei Winkler angefangen, die Bonner Springmäuse spielten als erste bei ihm das damals neue Impro-Theater. Er will trotz härterer Bandagen weiter junge Talente suchen, schreiben und Regie führen, denn das technische Tüfteln beim Verwirklichen von Ideen macht ihm Spaß. Vor allem aber will Winkler sich auch künftig „nicht verbiegen und nicht selbst belügen”.

 

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